Standesamt.

Um sechs klingelte endlich der Wecker. Wach war ich schon länger. Bis viertel nach hielt ich es noch aus, dann schlich ich mich in die Küche. Noch niemand dort. Hmpf. Einen Augenblick zurück und meine Duschsachen zusammen gesucht. Langsam regte sich der Rest. Ich hüpfte unter die Dusche und dann wurde gefrühstückt. Meine Haare stöhten schon jetzt leise. Trocken geföhnt – Locken gezaubert! Das dauerte dann auch so seine Zeit. Ich twitterte ein wenig, bekam Nachrichten vom Liebsten, dem es gar nicht gut ging. Da dachten wir noch, es wäre die Aufregung.

Nach meinen Haaren folgte das Make-Up und das Kleid. Als meine Schuhe geschnürt waren, konnte ich nicht mehr still sitzen und packte meine Tasche, räumte Dinge ins Auto und quatschte die anderen voll. Zum Glück fuhr das schwarze Brautauto bald los.

Vor dem Standesamt stand mein Liebster. Etwas blasser als sonst. Er gab mir den wunderschönen Brautstrauß und setzte sich noch kurz. Mit versammelter Manschaft ging es ins Rathaus. Die Standesbeamtin lotste uns ins Trauzimmer und bis alle auf den richtigen Stühlen saßen, dauerte es wieder in paar Minuten.

Über die Trauung an sich gab es im Nachhinein verschiedene Meinungen. Die Standesbeamtin sagte am Anfang, sie würde es nicht so bürokratisch machen wollen. Naja. Geht so. Dafür betonte sich mehrfach, wie schwer es doch sei, so eine Ehe aufrecht zu halten und wie anstrengend das doch alles ist. Möchte man an so einem Tag auch hören. Außerdem fragte sie wieder nach der kirchlichen Trauung, obwohl wir ihr das deutlich gesagt habe, dass es keine gibt. Immerhin hat sie noch ein hübsches Gedicht am Ende vorgelesen.

Während die Gratulationen der Familie begannen, raunte mir mein Ehemann zu, er müsse dringend raus, ihm sei so schlecht. Hmz. Ich blieb noch ein wenig bis alle ihre guten Wünsche losgeworden sind. Dann ging es vor das Standesamt und bei Sonnenschein gab es Sekt und Laugengebäck. Ein paar Bekannte waren noch aufgetaucht und gratulierten. Es gab zum Glück keine Aktionen von Kollegen oder Vereien. Der Liebste trank einen Becher Orangensaft und bekam die erste Runde an Medikamenten. Er fuhr recht schnell mit seiner Traumzeugin zu ins in die Wohnung und legte sich hin.

Der Rest blieb noch eine Viertelstunde, machte Fotos, bewunderte meinen Brautstrauß und genoss das Wetter. Wir waren in Weddingstedt bei einige Tropfen losgefahren – pünktlich zum Ja-Wort fing die Sonne an zu scheinen.

Die Häfte der Gäste fuhr mit zu meinen Eltern, dort wurde Spargelsuppe gegessen. Die Traumzeugin und mein „Gefolge“ machten sich auf den Weg in unsere Wohnung. Da wurde dann das Make-Up und die Haare neu gezaubert. Gleichzeitig schaute ich immer wieder nach meinem Mann, legte ihm ein nasses Tuch auf die Stirn und beobachtete, wie der Rest ihn mit Medikamenten zudröhnte. Die Fotosession am Deich haben wir ausfallen lassen. Gegen viertel nach Vier wurde ich hektisch ins Wohnzimmer gebracht, damit ich mein Kleid anziehen konnte. Da durfte ich auch erstmal nicht mehr raus. Dem Liebsten ging es besser und er machte sich mit Hilfe von seiner Trauzeugin sehr schnell hübsch. Kurz darauf waren sie auch schon auf dem Weg zur Feier.

Da saß ich dann, alleine im Wohnzimmer und mir wurde das erste Mal so richtig bewusst, dass ich jetzt seine Frau bin. Ganz und gar.

Meine Schwester kam, sammelte uns ein und wir fuhren zur Feier…

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