Entscheidung für mein Leben.

Vor einigen Jahren ging es mir sehr schlecht. Ich hatte Depressionen, war selbstverletzend und kämpfte jeden Tag. Wollte eigentlich nicht mehr. Wollte so nicht mehr leben. Mir ging es nicht alleine so, bei meiner besten Freundin war es noch einen Tick heftiger. Wenn wir zusammen waren, ging es uns deutlich besser, aber keiner von uns war der Typ für 24/7 Zweisamkeit. Wir haben viel zusammen unternommen und uns irgendwie gegenseitig gestützt. Irgendwann ging es ihr so schlecht, dass sie in Therapie und später in eine Klinik ist. Ab da war ich zumindest unter der Woche und in der Schule allein.

In der Zeit habe ich über ein Forum ein Webradio gefunden und dort auch für einige Zeit selber moderiert. Das und die Tatsache, dass es uns allen irgendwie ähnlich ging, hat mich wohl irgendwie über Wasser gehalten. Ich entdeckte meine Liebe zur Gothic-Musik und trug mehr und mehr schwarz. Im Nachhinein betrachtet hat mich wohl genau die Akzeptanz der Szene und die Kraft, die in in der Musik fand, gerettet. Es gibt keinen zentralen Wendepunkt – ich lernte einfach irgendwie damit umzugehen. Verletzte mich weniger. Unternahm mehr. Tauchte tiefer ins Internet. Erkundete die Gothic-Szene bei uns – und fand so tolle Freunde. Es war ein schleichender Prozess mit vielen Rückschlägen.

Noch heute habe ich ab und an mit Depressionen zu kämpfen. Seit ich hormonfrei bin, ist es deutlich besser geworden. Und auch seit ich den Liebsten an meiner Seite habe. Meine Zukunft ist nicht mehr ungewiss, sie ist dunkelbunt und wunderschön. Diese unfassbare Traurigkeit, die ich einfach nicht erklären kann, zeigt sich nur noch selten am Horizont. Bekämpfen muss ich sie nicht mehr mit Schmerzen, sondern mit einem Besuch am Meer. Und manchmal, da liebe ich diese Melancholie. Die gute Schwester der Traurigkeit.

In all der Zeit, also schon seit ungefähr zehn Jahren, habe ich mir sehr gewünscht, Mama zu werden. Ab dann werde ich mich nicht mehr umbringen. Das war immer mein Ziel, welches egal wie schlimm es war, mich gerettet hat. Und jetzt ist es soweit. In der Zeit mit dem Liebsten habe ich nicht mehr daran gedacht, mein Leben zu beenden. Dafür ist er mir zu wichtig und auch die äußeren Umstände haben sich so gewandelt, dass ich mein Leben leben will. Genau dieses eine Leben.

Es war mein größter Traum und es ist so wunderbar, dass mein Mann genau das auch als seinen Traum hat. Unser Zirkusbaby wächst in meinem Bauch. Die Entscheidung für mein Leben. Für unsere Leben. Es wird nicht immer leicht werden und ich werde mich nicht komplett ändern können – gegen den Druck, sich verletzen zu wollen, werde ich wohl mein ganzes Leben ankämpfen. Mal mehr, mal weniger. Aber ich werde das jetzt schaffen. Weil ich eben nicht alleine bin.

Vor zwei Wochen kamen die ersten Gedanken hierzu. Und jetzt, mit den Worten aus dem Hirn auf den Monitor, ist das alles nicht mehr so dramatisch. Was mich ein wenig sprachlos macht.

Liebes Zirkusbaby, ich freue mich sehr auf dich. Und dein Papa auch. Unser Weg war nicht immer einfach und vielleicht wird deiner auch an manchen Stellen schwierig. Aber wir sind für dich da. Wir werden dir auch mal fürchterlich auf die Nerven gehen, du uns aber auch. Aber genau das wollen wir. So viel Liebe ist hier schon für dich <3

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