1. Monat kleiner Wolf.

Wow, jetzt bist du schon vier Wochen und drei Tage bei uns. Das ging so verdammt schnell – wobei ich mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen kann.

Arzt- bzw. Hebammenbesuche: Die Hebamme kommt jetzt schon in deutlich längeren Abständen und im Grunde nur noch für mich. Sie war von Anfang an begeistert von dir und du mochtest auch schon schnell bei ihr auf dem Arm liegen, wenn sie mich untersucht hat oder mir Übungen gezeigt hat. Vor drei Tagen war die U3 – du wächst wunderbar und deine Hüfte ist genau so, wie sie sein soll. Bisschen gelb bist du noch immer – aber dank meines alten Untersuchungsheftes weiß ich jetzt auch, dass ich sogar unter der Lampe lag deswegen. Der Kinderarzt erinnerte sich sogar an mich – ich war eine seiner ersten Patienten.

Tagsüber: Wir schlafen länger als dein Papa und kuscheln morgens gerne noch ein wenig. Meist verbringst du dann etwas in der Federwiege, während ich unter die Dusche hüpfe oder im Haushalt rumwusele. Ganz neu ist jetzt, dass du dich auch mal auf einer Decke ablegen lässt. Das geht erst seit 1-2 Tagen. Meist aber auch nur für ein paar Minuten. Wenn dein Papa da ist, macht ihr erstmal Blödsinn. Wenn du satt bist, kuschelt dich Papa in der Ergobaby in den Schlaf und ich habe noch mal etwas Zeit für mich. Kurz einkaufen oder Kuchen backen oder duschen geht so prima.

In den Nächten: Du schläfst neben mir. Schlafsäcke sind absolut grauenvoll und auch deine Kuscheldecke wird weggestrampelt. Also liegst du mit unter meiner Decke – wobei ich nur halb zugedeckt bin und nur noch mit langärmligen Oberteilen schlafe. Du wirst meist gegen 1,4 und 8 Uhr wach und hast Durst.

Stillen: Das klappt wirklich prima. Anfangs hast du mir ordentlich weh getan, wenn du andockst – vom Gefühl her hast du richtig zugebissen. Das geht inzwischen. Nachts trinkst du immer eine Seite bis du satt bist, tagsüber meist beide. Wobei du ein schneller Trinker bist. Nach maximal einer halben Stunde sind wir in den meisten Fällen fertig. Mir macht es auch nichts mehr aus, unterwegs zu stillen. Im Restaurant und im Auto haben wir schon getestet – geht alles. Nur zu kalt darf mir nicht werden.

Unterwegs: Ob Trage, Tuch, Kinderwagen oder Babyschale – hauptsache du bist satt und es bewegt sich. Dann ist alles super und du ratzt schnell sein.

Gelernt: Seit heute quietscht du. Einfach so. Das ist unglaublich niedlich. Genau wie dein Lächeln – was du mir gerne schenkst, wenn wir stillen. Natürlich läuft dir dann Milch aus dem Mund, aber das ist okay. Es ist so bezaubernd, dich lächeln zu sehen. Du nimmst jeden Tag mehr von deiner Umwelt wahr. Alles was leuchtet zieht momentan deinen Blick an. Mit deinen großen Augen schaust du uns immer wieder so niedlich an. Grimassen schneiden kannst du auch wie ein Weltmeister – aber bei den Genen ist das auch kein Wunder. Du bist unglaublich neugierig – und hältst dein Köpfchen schon recht lange alleine. Ach, nicht nur Schlafsäcke sind doof – auch Socken und Hosen mit Füßchen. Aber da musst du nun mal mit leben.

Familie: Du kennst jetzt schon einen Großteil deiner Verwandschaft – und hast sie alle verzaubert. Egal wo wir hinkommen – du bist der Mittelpunkt. Dein Opa mag dich gar nicht mehr weggeben, wenn du in seinem Arm schläfst und die Waffel-Uroma blüht so auf, wenn wir sie besuchen.

Kleiderkiste: Du füllst die Klamotten in 50 jetzt richtig aus – nächste Woche kann ich die bestimmt aussortieren. Windeln in Größe 2 trägst du schon zwei ungefähr zwei Wochen – Größe 1 lief dann doch immer wieder etwas aus.

Wir mir dir: Kaum vorstellbar, wie das Leben ohne dich war, kleine Ratzerübe. Du gehörst einfach genau hier zu uns. Wie schnell sich der Tagesverlauf angepasst hat. Als hätten wir nur auf dich gewartet – was wir im Grunde ja auch haben.

Wir lieben dich sehr, kleiner Wolf <3

Drei Nächte Krankenhaus.

Im Nachhinein würde ich sagen, wären wir schon von Beginn an zu dritt im Zimmer gewesen – ich wäre früher gegangen. Aber von Anfang an: Ich wurde mit meinem Baby auf dem Schoß in das Zimmer geschoben und krabbelte dort in mein Bett. Die bisherige Zimmerbewohnerin wartete nur noch auf Ihre Unterlagen und ging dann nach Hause. Dadurch bekam ich ihr Mittagessen. Gegen Mittag kam meine Mutter uns besuchen und war absolut überwältigt von ihrem Enkel. Sie war eigentlich davon ausgegangen, dass das länger dauert bis er auf der Welt ist. Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite und kuschelte mit seinem Sohn. Ich bekam noch mehr Besuch – und ich war so, so, so froh über jeden, der mir ein bisschen Ablenkung verschaffte. Auch an den nächsten Tagen. Aufstehen war zuerst noch sehr anstrengend, mir wurde schnell schwindelig. Zum Klo und zurück ging gerade so. Über die Schmerzen beim Toilettengang schweige ich jetzt mal. Autschn.

Der kleine Wolf schlief die meiste Zeit auf meinem Bauch oder im Arm vom Liebsten. Das Babybay fand er schon am ersten Tag nicht so toll. Als die Nachtschwester kam und sich vorstellte, war ich gerade etwas eingedöst. Sie bat mich, irgendwann in der Nacht zu Ihnen zu kommen, damit der Kleine gewogen werden konnte. Ich bekam von ihr dann auch gesagt, dass ich den Kleinen ruhig in meinem Bett schlafen lassen kann. Hab ich natürlich auch. Gegen drei spuckte er dann ordentlich Fruchtwasser – also ging es auch zu den Schwestern, wenn wir schon wach waren. Dort hustete er noch einige Male. Die Hebamme, die bei der Entbindung dabei war, sagte am nächsten Tag auch, dass kaum Fruchtwasser kam, als sie die Blase aufgestochen hatte. Er hatte also viel verschluckt. Gewicht war etwas weniger, aber das ist ja ganz normal. Den Rest der Nacht haben wir dann mit kuscheln und anlegen verbracht. Die Nachwehen, die ich bei jedem Anlegen hatte, waren wie starke Regelschmerzen, aber aushaltbar.

Gegen Mittag am zweiten Tag bekam ich dann die erste Zimmernachbarin. Kaiserschnitt, Ende 30, zweites Kind und noch sehr beduselt. Sie schlief viel und auch das Mädchen war sehr ruhig. Nur musste sie jedes mal klingeln, wenn sie die Kleine aus dem Babybay haben wollte. Dadurch wurde der Wolf häufiger wach, wenn sie schrie. Aber auch die Nacht war ok. Eigentlich wollte ich vormittags duschen, aber war dann die Fotografin da – ein Bild gab es trotzdem nicht, der Wolf fand es einfach doof, auf dem Kissen zu liegen. Mein Mann kam erst abends – aber meine Großeltern waren nachmittags da. Mit Kuchen! Zum Frühstück hatte ich es nicht geschafft – es gibt auf der Station morgens und abends Buffett. Ich lag den Tag über schräg im Bett – so taten die Nähte kaum weh. Nachts ging ich wieder zum Wiegen. Die Schwester war sehr nett und plauderte ein wenig mit mir.

Am dritten Tag kam dann die dritte Bewohnerin. Jünger als ich, große Klappe und irgendwie sehr überfordert. Hatte eine PDA und wurde auch geschnitten – saß trotzdem die ganze Zeit im Schneidersitz – wie auch immer sie das konnte. Ich habe es den ganzen Vormittag nur sehr kurz geschafft, den kleinen Wolf abzulegen… Es reichte nur fürs kurze Frischmachen im Bad. Als mein Mann dann abends da war, blockierte sie das Bad – duschen war wieder nicht drin. Grml. Auch wartete ich seit der Ankündigung von der Visite morgens darauf, zur Untersuchung abgeholt zu werden. Das passierte dann gegen 18 Uhr. Meine Nähte sahen gut aus, Wochenfluss lief, Blutwerte waren auch okay. Heftiger Bluterguss, aber das war alles soweit zu erwarten. Ich war froh, vorher einen so guten Eisenwert gehabt zu haben. Milcheinschuss fing so langsam an, aber das spürte ich kaum. Es gab von der Ärztin dann noch die üblichen Anweisungen und von ihr das okay, dass ich am nächsten Tag gehen konnte. Puh. Aber davor war noch eine Nacht zu überstehen. Die hatte es in sich. Ein Baby nörgelte eigentlich immer – nur das mittlere Baby weinte nicht, es schrie wie 6 Sirenen. Von 0 auf 100 in einer Sekunde. Der kleine Wolf war ziemlich unbeeindruckt – dafür hatte er nachts die erste Milchschnute. Mein Spaziergang zum Wiegen gegen 2 Uhr brachte dann noch den fehlenden Hörtest hervor. Nur – schlafend bekam ich das Baby im Babybay nicht aus dem Zimmer. Also kam die Schwester zwei Stunden später reingeschlichen und machte den Test auf meinem Bauch. Zum Glück war es da gerade mal ruhig im Raum. Mehrmals war Festbeleuchtung an, weil Frau PDA die Lampe über ihrem Bett nicht an bekam. Grml.

Bei der Visite am Morgen beschwerten sich die anderen Beiden, dass ihre Kinder ja nicht zum Wiegen abgeholt wurden und auch nicht gewickelt wurden. Hm ja. Eigentlich waren beide inzwischen wieder fit genug um selber zu laufen oder zumindest um zu klingeln, wenn die Babys wach waren. Haben sie aber nicht. Selber Schuld irgendwie. Ich wartete auf den Kinderarzt. Die U2 wurde gegen 12 Uhr gemacht – der Arzt war vom Namen begeistert und alle Untersuchungen waren super. Sogar Blut abnehmen wurde nur mit kurzem Genörgel quittiert. Mit einem Entlassgewicht von 3030 Gramm ging es nach Hause. Beim Stillen bekam der kleine Wolf inzwischen auch richtig Milch – ich habe den Milcheinschuss so gar nicht mitbekommen. Nur meine Oberweite war schon wieder gewachsen. Als die U2 fertig war, rief ich meinen Papa an, der meinen Mann abholte und zusammen ging es dann nach Hause. Ich wusste erst nicht richtig, wie ich im Auto sitzen sollte, schließlich hatte ich das die letzten Tag eher vermieden. Ging irgendwie. Der kleine Wolf verschlief die Fahrt nach Hause komplett.

Mein Krankenhaus-Fazit: Drei Nächte waren ok. Gerade für meine Anfangsfragen war es gut, immer eine Hebamme oder Schwester zu haben. Ich sollte am dritten Tag zur Wochenbettgymnastik – ich war dann alleine mit der Hebamme und einem Wolf, der nur weinte, wenn er nicht an meiner Brust lag. Also angedockt und mit ihre über die Geburt und das Stillen gesprochen. Sie ist auch Stillberaterin und gab mir noch ein paar Tipps. Das war echt schön. Auch bin ich echt froh, die ganze Sauerei mit dem Anfangs-Wochenfluss dort gelassen zu haben. Das hätte ich gar nicht hier haben wollen. Wobei ein Badezimmer für mich alleine natürlich schöner gewesen wäre. Es war alles in allem schon okay dort im Krankenhaus.

Das erste, was ich nach dem Stillen Zuhause gemacht habe, war ein Lachsbrötchen verdrücken und ausgiebig duschen. Das war so gut.

Ein Wolf kommt auf die Welt.

Der kleine Wolf ist jetzt schon ein paar Tage bei uns Zuhause und ich fühle, wie die Erinnerungen immer mehr verschwimmen. Natürliche Reaktion meines Körpers, aber trotzdem möchte ich die Geburt gerne so wirklich wie möglich festhalten.

Dienstagabend gingen mein Mann und ich recht früh zu Bett, um noch eine Serienfolge zu schauen. Ich war deprimiert, weil der nächste Morgen wieder einen Besuch beim Frauenarzt bringen sollte. Das bedeutete früh aufstehen und dort den halben Vormittag verbringen. Plus das Gespräch über die Einleitung, die wohl nötig wäre. Denkste. Der kleine Wolf hatte das anders geplant.

Um 01:00 Uhr wurde ich wach. Rückenschmerzen und auf Klo musste ich auch. Dorthin gehumpelt und wieder zurück ins Bett gekrochen. Bisschen gedöst und es genossen, dass mein Mann seine warme Hand an meinen Rücken legte. Die Rückenschmerzen kamen irgendwie regelmäßig und wurden immer unangenehmer. Um 01:30 Uhr habe ich mir meine Klamotten, das iPhone und mein Selterflasche geschnappt und bin ins Wohnzimmer umgezogen. Die Katze lag auf meinem Sessel, also blieb ich auf meinem Schreibtischstuhl. Ich spielte und startete regelmäßig meine Wehenapp. So langsam war ich mir dann doch sicher, dass das nicht nur normale Schmerzen waren. Im Sitzen wurde der ganze Bauch hart und es zog dort ordentlich. Dafür waren die Rückenschmerzen fast weg. Der Abstand der Wegen war fast die ganze Zeit ziemlich regelmäßig bei 5 Minuten. Dauer der Wehen 45-60 Sekunden. Ich trank immer wieder vorsichtig kleine Schlucke Selter, ständig begleitet vom Gefühl alles wieder in die Kloschüssel zu befördern. Das (etwas schärfere) Essen vom Abend zuvor war schon wieder aus meinem Körper. Die Zeit verging irgendwie sehr schnell. Die Wehen wurden heftiger und ich las noch etwas in verschiedenen Blogs, Foren und bei Twitter. Noch waren die Wehen irgendwie nicht stark genug – war jedenfalls meine Meinung. Aber ich konnte die Visualisierung mit dem Luftballon im Bauch wunderbar üben. Zwei bis drei Atemzüge schaffte ich pro Wehe.

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Es kribbelte so langsam, als mir bewusst wurde, dass sich der kleine Wolf tatsächlich auf den Weg gemacht hat. Von alleine! Um halb vier hat mir die Katze dann den Sessel überlassen – nur um mir noch mal schön die Pfoten ins Gesicht zu schlagen. Dafür flog sie dann aus dem Wohnzimmer. Im Poäng habe ich es ein wenig besser ausgehalten. Letzte Woche Freitag hatte ich schon alle zehn Minuten einen harten Bauch – was eine prima Übungseinheit für das Aufblasen des Luftballons war. Wie wichtig diese Visualisierung für mich war, wurde mir erst später in den Presswehen bewusst. Ich bewegte mich zwischen Bad und Wohnzimmer hin und her. Um halb vier erwischte mich eine Wehe, als ich noch lief und das war schon eine andere Stärke. Die Abstände waren noch immer bei 5 Minuten. In meinem Kopf lief eigentlich immer nur ein Gedanke: „Nach der nächsten Wehe wecke ich meinen Mann und rufe meine Mutter an.“ Und dann war die Wehe doch nicht so schlimm. Um 4 Uhr watschelte ich ins Schlafzimmer. Mein Mann wollte erst, dass ich mich wieder zu ihm lege, schließlich müsse er erst um 7 Uhr aufstehen. Als er etwas wacher war, wurde auch er aufgeregter, zog sich an und packte noch ein paar Dinge in den Rucksack.

Nach zwei weiteren Wehen war auch meine Mutter informiert und machte sich auf den Weg zu uns. Um 4:45 Uhr sind wir nach 15 Minuten Fahrt im Krankenhaus angekommen. Die Sitzheizung im Beetle tat im Rücken sehr gut. Ich konnte mich tief in den Sitz drücken und meinen Bauch aufpusten. Zwischen den Wehen unterhielt ich mich ganz normal mit den Beiden und war komplett schmerzfrei. In den Wehen hörte ich zwar, was um mich gesprochen wurde, brauchte aber alle Konzentration für mich und den Wolf.

Meine Mutter lies uns vorm Haupteingang aussteigen und parkte. Ich wollte, dass sie zumindest bis nach der Untersuchung bleibt, falls wir wieder nach Hause geschickt werden würden. (Was zu dem Zeitpunkt tatsächlich meine größte Sorge war. Ich wusste die Intensität einfach nicht einzuschätzen.)

Wir liefen am Empfang vorbei – Wehe. Mein Mann redete kurz mit der Dame dort, ich wusste wo wir hin mussten. In den Aufzug – Wehe. Ich habe kurz überlegt dort noch ein Foto zu machen, aber mein Smartphone hatte mein Mann und ich die nächste Wehe. Beim Laufen kamen sie in wesentlich kürzeren Abständen, dauerten aber auch nicht so lange. Wir klingelten an der Entbindungsstation und wurden von einer lieben Hebamme empfangen.

Um 5 Uhr lag ich dann am CTG und war etwas enttäuscht, wie niedrig die Zahlen dort noch waren – und hatte definitiv Angst vor den Schmerzen, die noch kommen würden. Die Hebamme machte die Aufnahme und sprach immer wieder ruhig mit mir. Auf der Seite liegen war okay. Nur der Schlauch, unter den sie die CTG-Knöpfe klemmte, ganz schön eng.

Um 5:50 Uhr kam dann die Ärztin und machte Ultraschall. Den Kopf konnte sie schon nicht mehr messen, war aber mit den letzten Werten meiner Frauenärztin zufrieden. Mein Mann unterhielt sich mit ihr und versuchte auf dem Bildschirm was zu erkennen. Mir dauerte das alles zu lange – auf dem Rücken liegen war doof. Außerdem war das doch jetzt auch egal, schließlich war der Wolf auf dem Weg und bald in unseren Armen! Fruchtwasser war noch ein bisschen zu sehen, die Fruchtblase war bisher nicht geplatzt. Zwischen den nächsten Wehen verpasste mir die Ärztin einen Zugang in die rechte Hand und nahm Blut ab. Bei meinem letzten Zugang tat die Hand nicht so weh… Nach einer weiteren Wehe, die ich irgendwie auf der Liege veratmete, kletterte ich auf den Untersuchungsstuhl. Muttermund 1-2 cm. Uff. Das war ja fast der Befund von vor zwei Tagen? Na das dauert wohl noch den ganzen Tag. Der Mann half mir beim Anziehen. Die Hebammen hatten Schichtwechsel und in der Zeit sollten wir ruhig ein wenig laufen. Ich hing in jeder Wehe an meinem Mann und legte mich wieder auf die Liege – das war besser. Mama war inzwischen wieder gefahren und wollte mittags wieder vorbei schauen.

Die Hebamme, die nach dem Schichtwechsel für die Station da war, hatte eine Praktikantin dabei. Beide unglaublich nett und die Hebamme war genau die richtige Mischung aus mich in Ruhe lassen und mir gezielt Hilfestellung geben. Bevor wir uns dann einen Kreißsaal aussuchten, verschwand ich noch mal auf Toilette. Holla, die Wehe dort musste ich heftig veratmen. Alle drei Kreißsäle waren frei und ich suchte mir den mit der Wanne aus. Vorher fand ich die Idee mit dem Wasser gar nicht so schlecht – als ich dort hinein ging war ich mir schon nicht mehr so sicher. Wir wurden erstmal in Ruhe gelassen.

Ich setzte mich auf den Sessel und hoffte, die Schmerzen dort besser aushalten zu können. Einige Wehen konnte ich dort veratmen. Aufstehen und an meinen Mann hängen brachte schon nichts mehr. Der Schmerz rollte langsam an und ich musste mich konzentrieren, um tief einzuatmen. Etwas später kam dann die Hebamme und bat mich, mich auf die Liege zu legen, damit das CTG angeschlossen werden konnte. Also lag ich dann seitlich dort und die Praktikantin drückte bei jeder Wehe den CTG-Knopf gegen meinen Bauch, sonst zeichnete das Gerät nichts auf. Mein Mann saß an der Kopfseite der Liege und redete mit den beiden. Die Hebamme fragte, ob ich Schmerzmittel haben möchte. Meine Frage, ob das denn auch wirke, beantwortete sie mit einem Grinsen. Dann war ich wieder in der nächsten Wehe und mein Mann entschied für mich. An meinen Zugang wurde Meptid und etwas zum Weichmachen des Muttermundes gehängt. Die nächste Untersuchung gegen 8 Uhr ergab schon 8 cm. Immer wieder wurde kommentiert, wie schnell die Geburt geht.

Geredet habe ich nicht mehr. Zwischen den Wehen gab es kurze Erholung, was ich auch brauchte. Durch das Schmerzmittel war mir etwas schummrig und nach wie vor übel. Gespuckt habe ich erstaunlicherweise nicht. Sämtliches Schamgefühl habe ich an der Tür des Kreißsaales abgegeben. Meine Hose hatte mein Mann mir vor der Untersuchung ausgezogen und wieder anziehen wollte ich sie auch nicht. Ich bekam eine Decke über die Beine und dann hörte das Zittern auch etwas auf. Das Schmerzmittel wirkte schnell und nahm die fiesen Schmerzspitzen aus den Wehen. Es zog weiter ordentlich im Rücken. Die Hebamme fragte irgendwann, ob sich die Wehen anders anfühlen. Prompt hatte ich in der nächsten Wehe das Gefühl eine ganz andere Kraft in mir wirkt. Da die Fruchtblase bis jetzt noch intakt war, öffnete die Hebamme sie. Viel Wasser kam aber wohl nicht mehr. Die Ärztin tauchte auf und ging auch nicht mehr weg. Einige Wehen versuchte ich noch zu veratmen, bis ich mich dann traute, mitzupressen. Mein rechtes Bein stand inzwischen auf der Schulter der Hebamme. Der kleine Wolf rutschte langsam voran. Der CTG-Knopf musste auch immer weiter runter geschoben werden. Mein Mann war inzwischen in der hintersten Ecke des Raumes…

Geschrien habe ich während der ganzen Wehen nicht. Nur gestöhnt und zum Schluss geknurrt. Die Hebamme schob mich immer wieder zurück auf die Liege, in den Wehen krümmte ich mich sehr zusammen. Positionswechsel war dann notwendig. Ich lag auf dem Rücken und zog die Knie an mich. Zuerst zögerlich, dann konnte ich richtig mitpressen. Es war erst ein sehr komisches Gefühl, aber mit der Hilfe der Hebamme habe ich es dann geschafft, nicht in den Kopf zu pressen, sondern zum Wolf hin. Die Zeit zwischen den Presswehen wurde etwas länger und ich klarer. Der Mann bekam dann auch noch eine rausgestreckte Zunge von mir – warum weiß ich nicht mehr. Alles spannte in den Pausen und so richtig war es noch nicht in meinem Kopf angekommen, dass die Geburt gleich passiert war. Ich schaffte es 2x pro Wehe mitzupressen. Das war aber nicht ganz genug – die Ärztin legte ein Laken unter meinen Rücken, zog es über meinem Bauch zusammen und drückte in der nächsten Wehe mit. Das Gefühl zu Zerreißen blieb sehr kurz – dann war’s geschafft.

Um 8:44 Uhr. Erst der Kopf, dann glitt der Rest aus mir raus. Es dauerte einige Atemzüge, bis ich wieder genug Luft hatte. Der kleine Wolf schrie sehr fleißig und war total blau. Sie legten ihn auf meinen Bauch und ich konnte es eigentlich so gar nicht wirklich fassen, dass das jetzt der kleine Punkt auf dem ersten Ultraschallbild ist. Er schaute uns aus seinen großen Augen an und suchte auch ziemlich schnell nach der Milchbar. Er wechselte sehr schnell von blau zu rosig. Wehen hatte ich nicht mehr, aber die Plazenta kam durch leichtes Pressen so. Die Fruchtblase war auch noch deutlich sichtbar – ohne weiteres Riss. Weder mein Mann noch ich wollten die Nabelschnur durchschneiden, was dann die Praktikantin durfte.

Während wir kuschelten, wurde ich versorgt. Ein paar Schürfwunden hatte ich und an zwei Stellen musste noch genäht werden. Das Nähen des Dammrisses war nicht so einfach, weil ich genau dort eine Krampfader habe. Deswegen hätte sich die Hebamme während der Geburt auch nicht getraut, zu schneiden. Die Schmerzen der Geburt waren geschafft – aber das Nähen tat saumäßig weh. Wir durften dann erstmal ausgiebig kuscheln. In der Zwischenzeit waren noch mehr Schwangere angekommen und wir hatten die Hebamme nicht mehr für uns. Nach einer Stunde auf meinem Bauch, wo der Kleine auch seine Körperausgänge testete, wurde er vermessen. 3240 Gramm, 50 cm und 34 cm Kopfumfang. Apgar-Werte 9/10/10 – Hebamme kommentierte das nur locker mit: „Kleiner Streber!“ Mein Mann bekam ihn eingepackt auf den Arm und ich durfte mit Hilfe aufstehen. Dann ging es mit dem Rollstuhl auf die Station in unser Zimmer – ein Dreibettzimmer, aus dem gerade die bisher einzige Patientin entlassen wurde. Ich trug die ganze Zeit über mein Toten Hosen Shirt, was ich auch auf dem letzten Bauchbild an hatte. Und Socken mit Igeln. (Die wir dann liebevoll Blutigel getauft haben.)

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Über die Zeit im Krankenhaus schreibe ich dann demnächst.

31+1.

Wie lange bin ich schwanger?
31 Wochen und 1 Tag.

Geburtsvorbereitungskurs – irgendwas besonderes?
Eswar der erste Termin mit den Männern. Bis auf drei waren auch alle mit. Mein Mann fand den Abend nicht so berauschend, er kennt das aber auch schon. Mal sehen, wie oft ich ihn noch mitbekomme. Thema waren Wehen und Geburt. Eine der Damen hat gefühlt jegliche Literatur zum Thema Baby gelesen und weiß natürlich einfach alles. Hypnobirthing hatte sie auch angesprochen, davon wusste unsere Hebamme aber eher weniger. Generell bestärkt uns die Hebamme darin, auf unseren Körper zu hören. Uns nicht an Werte, Tage, Abstände zu klammern, die irgendwo aufgeschrieben sind. Ich mag sie dafür ziemlich – sie verteufelt nichts.

Was war schön letzte Woche?
Polterabend am Mittwoch von unserem Vermieter – meine Kollegen waren auch da und ich hab so viel gelacht wie schon ewig nicht mehr. Samstag sind wir nach HH und haben eine kleine Einweihungsparty bei einer Freundin gefeiert – mit Frühstück am Sonntag. Das war einfach so schön. (Neue Freundschaften sucht man nicht, die laufen einem einfach über den Weg. Und dann lässt man diese Leute nicht mehr gehen.) Sonntag war ich spontan grillen bei einer Freundin, die ich noch aus der Schulzeit kenne. Sie war hier bei ihrem Vater und hat sich um das Haus gekümmert, weil er im Urlaub war. Das war wirklich ein verdammt lustiger Abend. So viel Zeit haben wir ewig nicht mehr miteinander verbracht. Auch mit ihrem Freund habe ich mit prächtig unterhalten – natürlich war das Hauptthema Baby, hihi. (Auch für ihn, er hat schon einen Sohn.)

Was vermisse ich?
Lachsbrötchen. Lachsfrischkäserolle. (Wtf? Gabs sonst auch nur alle Monate mal.)

Was macht mein Körper?
Bisschen ziepen am Bauch, trockene Stellen an den Ellenbogen. Wird eingecremt und dann gehts. Nachts immer wieder Knie-, Becken- oder Hüftschmerzen. Ich nehme inzwischen jeden Tag 200 mg Magnesium, was gerade so reicht, um nur Andeutungen von Krämpfen zu bekommen. Außerdem wache ich nachts immer wieder mit kribbelnden Händen und Beinen auf – da ich dann meist sowieso zum Klo muss, gehts dann beim Einschlafen wieder. Und seit heute kann der Wolf so rumpeln, dass es mir ordentlich in der Seite ziept. Sodbrennen aus der Hölle gibts ab und zu auch noch. Vorallem vom Selter trinken. Aber andere Sachen möchte ich eigentlich nicht regelmäßig.

Worauf habe ich besonders Heißhunger?
Kräuter-, Knoblauch- oder Tomatenbutter. Leider mag meine Zunge das nicht so. Und ich könnte wirklich ständig Fisch essen.

Was geht so gar nicht?
Parkplatzsuche in HH.

Was haben wir vorbereitet?
Isofix-Base habe ich Donnerstagabend ersteigert und Samstag war sie schon da. Ist jetzt eine von Römer geworden, also werden wir uns dann den Baby Safe Plus SHR II kaufen. Chili Pepper natürlich. Außerdem habe ich eine Umstands-Trage-Jacke bei Bon Prix bestellt. Meine bisherigen Jacken gehen nicht mehr zu oder sind zu kurz. Und bis Ende Oktober ist es ja noch ein bisschen… Letzte Woche stand plötzlich ein Kollege bei mir im Büro und drückte mir einen Karton in die Hand – die Lieblingskollegin hatte Lätzchen aussortiert 🙂

Worüber freue ich mich?
Es geht mir eigentlich recht gut, ich habe Zeit gehabt zum Lesen, war schwimmen und hab Freunde getroffen. Hach. Außerdem kann ich langsam akzeptieren, dass ich nicht mehr so viel kann. Ich nehme mir nichts mehr vor, sondern freue mich über die Sachen, die ich dann doch geschafft habe.

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31+1. Einen halbwegs schlauen Blick bekomme ich um 05:55 Uhr noch nicht hin.

21+6. Kleines Wolfskind.

Letzten Freitag war ich bei 21+2 zum großen Organultraschall. Am Tag davor rief die Praxis an und fragte, ob ich eine halbe Stunde früher kommen konnte. Was mich irritierte – sie riefen auf dem Festnetz an. Die Nummer hatten sie doch gar nicht? Tja, sie hatten meine Handynummer nicht richtig übertragen und dort fehlte eine Zahl. Deswegen hatten sie bei meiner Oma angerufen und sie hat dann unsere Festnetznummer rausgegeben. Sowas geht auch nur auf dem Land… und mit einem seltenen Nachnamen. Tatsächlich gibt es in der Schreibweise nur 4 Patienten, meine Oma, Mama, Schwester und mich. Die MFA entschuldigte sich am Freitag dann auch noch mal, aber sie wusste genau, dass ich gerne den Termin bei „meiner“ Ärztin haben wollte und diese musste früher weg. Es war also wirklich okay. (Meine Oma rief natürlich auch noch an und sprach wieder so vorfreudig von ihrem Urenkelkind – Herzkribbeln bei mir.)

Also. Der Termin. Freitag um 12 Uhr. Morgen auf der Arbeit hatte ich mal wieder die Kloschüssel umarmt – immerhin vor dem Frühstück. Weiterhin versucht genug zu trinken, Urinprobe war gerade so möglich. Der Blutdruck war deutlich niedrigen als sonst, aber ich weiß ja auch warum. Insgesamt habe ich inzwischen 3 Kilo zugenommen. Gepiekst wurde ich auch, sie hatten bei der letzten Blutuntersuchung die falschen Werte bestimmt lassen. Tja nun. Dann durfte ich warten, warten, warten…

Und endlich rein. Das übliche Vorgeplänkel, Erbrechen und das man so leider nichts dagegen machen kann, Beckenschmerzen erstmal beobachten und ob ich denn im allgemeinen ordentlich essen könnte, ich hätte bisher ja nun noch nicht so viel zugenommen. Jupp, kann ich. Mach ich auch. Dann kurz auf den Stuhl – alles fein und wieder angezogen. Endlich: Ultraschall! Ich war die letzte Patientin und die Ärztin nahm sich richtig Zeit alles mehrfach zu kontrollieren und war sichtlich mit guter Laune dabei. Sie musste sehr grinsen, als sie anfing. Unser Zirkusbaby hat in einer Tour gegen den Schallkopf getreten – mich kitzelte das auch sehr. Kopfumfang ist 18 cm, Länge 25 cm und das Gewicht momenten  360 Gramm. (Mein Mann, als ich ihm das erzählte: 3 1/2 Tafeln Schokolade – wow!)

Ich war sehr fasziniert, wie genau die Ärztin in unser kleines Wunder schauen konnte. Alles ist wunderbar zeitgerecht entwickelt. Diese wunderschöne kleine Wirbelsäule <3 Ich habe eine Hinterwandplazenta, deswegen wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis auch mein Mann die Turnübungen fühlen kann. Und gezappelt wurde nicht nur bei der Untersuchung ordentlich. Eigentlich ist hier immer nur dann Ruhe, wenn jemand die Hand auf den Bauch legt, hihi. Ein Foto gab es – aber damit wäre auch ein Outing verbunden und das Geschlecht vom Zirkusbaby behalten wir erstmal für uns. Was wir nicht wirklich sehen konnten, war das Gesicht. Da hat sich jemand richtig schön in die Plazenta gekuschelt und war fotoscheu. Die Ärztin suchte sich restlichen Werte zusammen und erklärte mir, was sie so maß. Ich konnte eigentlich nicht mehr aufhören zu grinsen, weil es jetzt so richtig echt ist. So richtig richtig.

Wieder in der Wohnung zeigte ich meinem Mann mit einem Grinsen das Bild und nach fünf Minuten blättern in einem nordischen Mythologie-Buch stand dann auch der Name für unseren kleinen Wolf fest. (Der Einffachheit halber schreibe ich Wolf und nicht Wolf/Wölfin – es gibt sowohl männliche als auch weibliche Formen von Wolfsnamen ;))

Die ein oder andere Träne habe ich inzwischen verdückt – bald bist du bei uns auf der Welt, kleiner Wolf <3
Wir freuen uns so sehr auf dich.