Wie funktioniere ich?

Jahrelang habe ich mich kaum mit mir beschäftigt. Alles so hingenommen, wie es war. Kopfschmerzen? Schmerztabletten. Rückenschmerzen? Spritze. Mandelentzündung? Antibiotika. Verhütung? Pille. Bauchweh? Irgendwas falsches gegessen. Knieschmerzen? Kein Wunder bei meinem Gewicht. Das ist halt alles so. Kann man nichts machen. 

Als ich dann ausgezogen bin, änderte sich das langsam. Ich begann, mich mit mir zu beschäftigen. Tiefer als sonst. Recherchierte, was bestimmte Medikamente mit mir machen, wie sie wirken. Und wollte das nicht mehr. Warum mehr schlucken, als nötig? Wenn es auch anders geht? Meine Rückenschmerzen habe ich mit Sport ziemlich gut in den Griff bekommen. Eine Mischung aus Yoga, Pilates und Rückenschulübungen ist das, was für mich passt. Muskel im Bauch und im Rücken stärken – rund um die Wirbelsäule. 

Durch Ausprobieren weiß ich inzwischen, was ich essen kann und was nicht. Wenn ich mich daran halte, geht es mir besser. Auch wenn ich immer mal wieder etwas esse, weil ich es unbedingt möchte – und ärgere mich danach. Das zu akzeptieren ist ab und zu wirklich schwer. Ändern kann ich es aber nicht. Neidisch sein auf bunte Obstteller bringt auch nichts. 

Zu Beginn der Kinderwunschzeit kam noch ein weiterer Punkt dazu: Zyklusbeobachtung. Nicht jede Frau ist wie ein Uhrwerk. Nicht jeder Zyklus ist gleich. Mein Eisprung ist später, die zweite Zyklushälfte kürzer. Inzwischen merke ich meinen Eisprung sogar meistens. Verrückt, so ein Körper. Die Veränderungen, die in der Schwangerschaft passierten. Wie gut ich das hinbekommen habe – weil ich auf meinen Körper gehört habe. Die Übelkeit und das Kotzen waren nicht toll – aber das muss dann wohl so sein. Dafür ging es ansonsten ganz gut. Bis zum Schluss. 

Auch wenn ich vorher einen ziemlichen Respekt vor der Geburt hatte, war es doch schön. Natürlich waren es unglaubliche Schmerzen – aber ich hatte die ganze Zeit Vertrauen in meinen Körper und wusste, dass wir das schaffen. Ich wollte vorher gerne eine Wassergeburt – während der Wehen war das unvorstellbar. Trotzdem würde ich es irgendwann bei einer zweiten Geburt wieder gerne versuchen. Ich war sehr zufrieden mit der Klinik, eine Hausgeburt kann ich mir für mich einfach nicht vorstellen. Was ich sonst noch für Vorstellungen habe, werde ich dann irgendwann mal schreiben. Länger mit dem Abnabeln warten z. B. und auch in der Vorsorge schon zu einer Hebamme. Meine Hebamme zur Nachsorge vom Wolf war toll – nur würde ich gerne Vorbereitung/eventuelle Beleggeburt/Nachsorge/Rückbildung komplett bei einer machen. Mal schauen, wie die Hebammenversorgung in ein paar Jahren dann ist. 

Nur mit dem, was meine Psyche so anstellt, muss ich mich mehr beschäftigen. Mehr Dinge machen, die mir gut tun. Das klappte in den letzten Monaten auch schon etwas besser. Nur wenn es Tiefen gibt, kann es auch Höhen geben. Die Tiefs müssten nur nicht unbedingt sooo tief sein. 

14 Monate kleiner Wolf.

Jetzt wird es Ernst. Ich arbeite wieder und du gehst ab nächster Woche wieder in den Kindergarten. Wieder eine große Veränderung – hauptsächlich für mich.

Arztbesuche: Wir wissen jetzt, was Pseudo-Krupp ist. Du hattest zwar keinen Anfall, warst aber kurz davor. Notfallzäpfchen sind jetzt im Haus. Hoffentlich brauchen wir die nicht. Momentan schiebst du 6 Zähne gleichzeitig durch. Die Eckzähne ärgern schon ein wenig länger und ganz plötzlich sind in zwei Wochen auch noch zwei Backenzähne gekommen. Da hast du uns schon einen Schrecken eingejagt – über den Zähnen sind Blutblasen entstanden, die dann geplatzt sind. Ich hoffe, das passiert bei den restlichen Zähnen nicht auch noch… Paracetamol-Saft gibt es hier momentan immer wieder. Wir können es inzwischen recht gut deuten, ob du Schmerzen hast oder ob dich etwas anderes stört.

Tagsüber: Gegen 7 Uhr aufstehen, um 9 Uhr Frühstück, um 11 Uhr Mittag und dann wird geschlafen. Ich gehe dann mit dir spazieren, dein Papa legt dich einfach hin. (Genau wie im Kindergarten.) Wenn ich arbeite, holt deine Oma dich um 13:30 Uhr aus dem Kindergarten und ich bin gegen 16:30 Uhr wieder da. Bisschen spielen, zwischendurch noch Kekse oder Joghurt und gegen 18 Uhr Abendbrei. Danach ab ins Bett.

In den Nächten: Ich stille dich meistens in den Schlaf – auf dem Boden vor deinem Bett. Dafür ist die Ikea Turnmatte auch gut. Wenn du wirklich noch nicht müde bist, spielen wir noch ein bisschen. Bist du müde, findest aber nicht in den Schlaf, kuschelt sich dein Papa mit dir hin. Zack – schläfst du.

Stillen/Beikost: Seit zwei Wochen isst du jetzt auch Gemüse-/Fleischbrei. Außerdem musst du alles probieren, was wir essen. Dabei verziehst du so niedlich dein Gesicht. Joghurt selber löffeln ist momentan der Hit. Es landet auch tatsächlich ein bisschen was in deinem Magen.

Unterwegs: Kilometer um Kilometer mit dem Kinderwagen. Seit wir in der neuen Wohnung wohnen, laufe ich viel mehr mit dir.

Gelernt: Wenn du dich auf etwas anderes konzentrierst, machst du schon mal 1-2 Schritte. Wenn wir dir unsere Hände reichen, läufst du auch schon so einige Meter. Du forderst uns aber noch nicht dazu auf. Kleiner Highspeed-Krabbel-Wolf. (Die Treppe bei meinen Eltern ist auch schon lange kein Hindernis mehr…)

Familie: Weihnachten war wirklich schön. Du liebst es, Geschenke auszupacken und kannst jetzt stundenlang das Polizeiauto in die Gefängniszelle der Polizeistation stecken. Du hast Weihnachten ganz viel mit deinen Tanten gespielt – das war wundervoll zu sehen. Am Anfang brauchst du ein paar Minuten um aufzutauen, aber dann bist du kaum zu halten.

Kleiderkiste: 80. 86 teilweise. Noch immer. Bei den gDiaperst sind wir auf L gewechselt, die passen sehr viel besser.

Wir mit dir: Ausflüge, Kurzurlaube… alles kein Problem. Wenn du satt bist und keine Zahnschmerzen hast, bist du ein toller Reisewolf. Es ist so schön zu sehen, wie du unseren Blödsinn nachmachst und uns zum Lachen bringst. Je mehr du uns Dinge begreiflich machen kannst, desto leichter wird es. Wenn dir etwas ganz und gar nicht gefällt, wird auch schon mal losgewütet. Da haben wir bestimmt auch noch viel Spaß mit dir.

<3

Kopf? Aus.

Manchmal wäre das echt schön. Ein kleiner Knopf, der die Gedanken langsamer macht und den Strudel aus Fragen und Grübeleien entwirren kann. 

Immer schneller drehen sich die kleinen Biester in meinem Kopf. Darunter sind auch viele Punkte, die uns erst in ein paar Jahren treffen. Oder Dinge, auf die ich absolut null Einfluss habe. Aber der Kreisel im Hirn hört einfach nicht auf. 

Woran merkt man, ob man 1-, 2- oder 3-Kind-Mama sein möchte? Wie machen wir das nach den drei Jahren Elternzeit? Bekomme ich das überhaupt hin mit der Arbeit? Bauen oder kaufen? 1-2 Kinder sind händelbar, was müsste außer einem größeren Auto bei Kind 3 anders? Möchte ich überhaupt ein zweites Kind? Wird das Geld reichen? Können wir unseren Kindern die Eltern sein, die sie sich wünschen? Wie oft werden wir noch anecken? Geht beim nächsten Mal wieder alles gut? Es wird anstrengend – aber das ist es jetzt auch. Wann? Keine Lust auf das Zittern wegen der Betreuung. Wie reagiert der kleine Wolf? Erst Haus, dann weiter Familie planen. Ist das überhaupt planbar? Schläft der Wolf auch mal ohne mich? Wer macht den Haushalt? Klappt es dann auch? Was für ein Altersabstand ist ok? 

Dinge zerdenken – darin bin ich prima. Egal was passieren wird, mit meinem zauberhaften Mann an meiner Seite werden wir alles schaffen. 

Tausend Gedanken. Vermutlich passiert es irgendwann einfach und dann bin ich schwanger mit Zwillingen und alle Gedanken waren unnötig – das wäre Schicksal. 


2 Monate kleiner Wolf.

Lieber kleiner Wolf – zwei Monate bist du jetzt schon alt. Schon? Erst? Zwei Monate klingt so wenig – trotzdem ist jede Sekunde wundervoll.

Arzt- bzw. Hebammenbesuche: Da sind die Hebammen-Besuche auch schon vorbei. Beim letzten Wiege konnte sie 4,5 kg notieren – du wächst also fleißig. Dein nächster Arzttermin ist erst Ende Februar – vorher möchte ich auch nicht mit dir los müssen.

Tagsüber: Dein Papa hat momentan Urlaub, was die Tage noch schöner macht. Ich höre und sehe euch beide so gerne, wenn ihr durch die Wohnung tobt. Du bist immer noch am Liebsten bei uns – ohne Körperkontakt auf dem Sofa oder auf der Decke liegen klappt nie so lange. Außer im Bad, wenn die Dusche rauscht. Was mich entspannt duschen lässt. Du machst in unregelmäßigen Abständen Nickerchen – meistens nach dem Stillen auf mir, oder wenn dein Papa dich in die Trage steckt.

In den Nächten: Ich habe mich an die Abstände gewöhnt, muss nur aufpassen, dich auch mal auf die andere Seite zu legen, sonst gibts morgen ein leichtes Völlegefühl. Wenn ich das nicht mache, beschwerst du dich aber auch irgendwann. Dein Papa bekommt davon in den meisten Fällen gar nichts mit.

Stillen: Da haben wir inzwischen einen guten Ablauf entwickelt. Morgens und tagsüber stillen wir meistens alle 2-3 Stunden – abends etwas öfter. Wobei das auch immer davon abhängt, ob du beim Stillen einschläfst oder die ganze Zeit wach bist. Manchmal ratzt du auch einfach 4h – da schnappe ich mir dann die Milchpumpe, weil das dann doch unangenehm wird. Muttermilch aus der Flasche nimmst du ohne Probleme.

Unterwegs: Der letzte Kinderwagenversuch war nicht so erfolgreich, aber da war es auch sehr warm in der Halle und laut. Wir werden bald noch mal probieren, ob das nur ein Einzelfall war. Gerade wenn es glatt ist, möchte ich dich nicht in der Trage haben. Dafür stolpere ich viel zu viel. Auto fahren klappt immer noch sehr gut. Du weinst zwar, wenn ich dich anschnalle, aber wenn wir dich dann etwas in der Schale geschuckelt haben, ist wieder Ruhe.

Gelernt: Du lachst uns jetzt richtig mit Ton an. Wenn wir Geräusche machen, antwortest du – das ist unglaublich niedlich. Deinen Kopf hälst du inzwischen fast komplett alleine – nur wenn du müde bist, geht das nicht mehr so gut. Badewanne mit mir gefällt dir auch, genau wie das Kuscheln mit Papa danach.

Familie: Über Weihnachten waren wir mehrere Tage bei den Schwiegereltern – das hat dir absolut nichts ausgemacht. Es ist dir eigentlich ziemlich egal, wo du bist, solange ich oder dein Papa in der Nähe sind.

Kleiderkiste: 50 ist jetzt aussortiert. 56 passt wunderbar. Ein paar 62er passen auch schon. Du hast noch eine Windeltorte mit Windeln in Größe 2 bekommen, mehr werde ich auch nicht mehr kaufen. Darf dann bald Größe 3 sein. Die Stoffwindeln habe ich durchgewaschen und da testen wir dann bald mal, ob sie dir schon passen.

Wir mit dir: Wir sind völlig entspannt – weil du es einfach auch bist. Hunger, müde, neue Windel – das bekommen wir inzwischen gut raus. Ausflüge klappen jetzt sehr gut, ich fahre auch schon alleine mit dir in die Stadt.

Du bist heute 2 Monate alt und deine Eltern sind heute 4 Jahre ein Paar. Du passt einfach wunderbar in unsere Familie <3

 

Das neue Kleid.

Am Donnerstag war ich spontan zum Ohrenarzt – durfte dann noch ein wenig durch die Gegend spazieren, weil das Wartezimmer so voll war. Ich steuerte also Family an – eigentlich um nach Kindersachen zu schauen. Aber es gab an dem Tag gerade 20% auf Damenbekleidung und dann hing da dieses Kleid… Ich huschte damit in die Umkleidekabine und probierte es an. Das war der erste Moment seit der Geburt, in dem ich mich richtig als Frau und nicht als Mutter fühlte. Der Ausschnitt ist sehr dehnbar, stillen ist also kein Problem.

kleid

Neu, neu, neu.

Es geht mir jetzt einen Monat nach der Geburt jeden Tag besser. Wobei das auch gefährlich ist – ich überschätze mich doch noch. Zu viel im Haushalt sollte ich nicht in die kurze Zeit quetschen, wenn der kleine Wolf beim Liebsten ist. Das gibt dann noch die Quittung. Körperlich ist die Rückbildung der Gebärmutter schon lange abgeschlossen und ich mache auch schon die ersten Übungen für den Beckenboden, die mir die Hebamme zeigt. Eigentlich kann ich es kaum erwarten, wieder ins Schwimmbad und ins Fitnessstudio gehen zu können. Wir haben keine Waage bzw ist die Waage beim Umzug in die Abseite gekommen und dort liegt sie noch. Letzen Mittwoch bei meinen Eltern bin ich dort mal auf die Waage – von den 12 kg, die ich in der Schwangerschaft zugenommen habe, sind noch 3 kg da. Das ist okay. Die Kilos, die sich seit der Hochzeit angesammelt haben, ignoriere ich noch. Wobei ich eigentlich hauptsächlich wieder sporteln möchte, damit mein Rücken wieder schmerzfreier wird. Der fängt seit der Geburt langsam wieder an zu zicken und das möchte ich gerne unterbinden. Auch im Hinblick darauf, dass ich gerne weiter tragen möchte.

Mit jedem Tag komme ich eigentlich wieder ein Stück besser klar. Zwei Wochen nach der Geburt ging so gar nichts. Ich habe mich mit meinem Kugelbauch unglaublich hübsch gefühlt – und der war ja nun weg. Noch dazu Hormone im freien Fall – uurgh. Nach Gesprächen mit meinem Mann und der Hebamme, geht es jetzt. Ich hatte, gerade durch meine Vorgeschichte, schon Angst vor Wochenbettdepressionen. Aber bisher sieht es nicht danach aus. Zum Glück.

Die Schwangerschaftsstreifen auf meinem Bauch fangen langsam an zu verblassen – gerade die Streifen mag ich sehr. Sie zeigen, was da in mir war und ich weiß, dass sie nie ganz weg gehen werden. Das ist mehr als okay. Nächste Woche Mittwoch ist mein Nachsorgetermin bei der Frauenärztin, mal sehen was sie mir noch so erzählt. Eventuell hat sie auch noch mehr Adressen für Rückbildungskurse – bisher müsste ich 30 Minuten fahren. Das gefällt mir noch nicht so wirklich.