28.

Mit Glück gibt es hier noch 12 von 12 in der Geburtstagsedition. Heute fahren wir ins Legoland! Das ist der erste Geburtstag, den ich nicht mehr mit meinem Opa teile. Es ist so ein komisches Gefühl – deswegen fahren wir weg. Du wusstest das schon letztes Jahr, Opa. Wolltest aber noch mit uns feiern. Ich denke an dich <3

 

Mit 28 möchte ich:

+ einen tollen Tag im Legoland verbringen

+ 10 Kilo abnehmen

+ das erste Mal zum Wacken Open Air fahren

+ Strongmanrun laufen oder schwanger werden

+ drei Wochen in Dänemark verbringen

+ mittelaltern – also mit lagern

+ mehr Kuchen backen

+ wieder nach London – mit dem Liebsten! Dort in die Harry Potter Studios

+ mit dem Wolf im Meer baden

+ indisch essen gehen

 

Mit 27 wollte ich:

+ auf dem Heider Marktfrieden Spaß haben

Marktfrieden war so schön. Auch wenn es viel geregnet hat.

+ Urlaub in Dänemark machen

Aus zwei Wochen wurden eine Woche im Sommer plus eine Woche im Oktober. Es war komisch und stressig, aber auch schön.

+ zum M’era Luna fahren

Woah, das hat so richtig gut getan. <3

+ zu Konzerten von Covenant und Bosse

Check, check. Noch dazu war ich bei Schrottgrenze, ASP, den toten Hosen und Welle:Erdball.

+ weiter bunte Haare haben

Es ist unglaublich, wie gut mir das tut. Momentan gehe ich zu häufig schwimmen, aber für die Festivals kommen sie wieder neu bunt.

+ mit dem Wolf schwimmen gehen

Tja, das haben wir noch nicht wieder gemacht. Einer hustete immer.

+ mit dem Mann ein Wochenende alleine verbringen

Ein ganzen Wochenende haben wir noch nicht geschafft, aber über Nacht ist der Wolf schon bei Oma geblieben.

+ Silvester mit Sekt anstoßen

Yes!

+ Sommerrollen zaubern

Das Reispapier war nicht mehr okay. Gegessen habe ich sie inzwischen, waren aber nicht so ganz mein Fall.

+ mir etwas nähen – Rock oder Kleid

Einen Pullover habe ich mir genäht! Der ist großartig!

+ mehr Zeit draußen verbringen

Dank Pokemon Go habe ich sehr viel Zeit mit Spaziergängen verbracht. Ich laufe auf jeden Fall sehr viel mehr jetzt.

+ ans Meer

Immer, immer wieder <3

Vollzeit.

Warum es hier so still ist? Weil das Leben so viel Zeit frisst. Alles ist anders, alles ist schöner, alles wird bald wieder neu.

Seit November arbeite ich wieder in Vollzeit. Zwei Jahre Elternzeit sind vorbei, eins habe ich mir aufgespart, falls es so nicht klappt. Ich hatte große Zweifel und großen Respekt vor der Vollzeit-Arbeit. Aber es klappt. Besser, als ich auch nur gehofft habe. Unsere komplette Tagesgestaltung hat sich geändert. Morgens schleiche ich mich um viertel nach fünf von meinen schlafenden Männern weg, mache mich fertig und fahre zur Arbeit. Der Wolf geht jetzt ab sieben Uhr in die Krippe und wird von seinem Vater hingebracht.

Durch meinen frühen Arbeitsbeginn, kann ich meist schon um 15:15 Uhr Feierabend machen. Es sind aber auch ohne Probleme noch 30 Minuten Überstunden drin. Das macht alles deutlich entspannter. Ich hole nach der Arbeit meine Männer ab und schaffe es meist sogar noch vorher einzukaufen. Der Wolf wird von seinen Großeltern aus der Krippe geholt und liebt es, dort zu spielen, bis ich ihn abhole.

Zuhause wird noch ein bisschen gespielt, es gibt Abendessen, Zähne werden geputzt und dann geht es ins Bett. Im Bett schaut sich der Wolf mit mir ein Buch an, danach singt sein Papa ihm sein Schlaflied. Wir hören den Wolf noch etwas über das Babyphone und meistens schläft er ein, ohne erneut ins Wohnzimmer zu kommen.

Es hat etwas gedauert, bis sich alles eingespielt hat, aber jetzt läuft es wirklich gut. Wir sind recht flexibel, ich kann den Wolf auch zur Krippe bringen, wenn der Liebste nicht kann. Oder früher gehen, um ihn abzuholen. Ich hadere auch nicht mehr damit, dass Vollzeit sein muss. Ab und zu bin ich zwar etwas neidisch, wenn ich sehe, wie andere drei Jahre mit ihren Kindern Zuhause bleiben können. Oder nur zwei. Bei uns geht das einfach nicht. Wir haben uns damit arrangiert. Nutzen die Zeit, die wir haben.

Morgen in einer Woche bekommen wir die Schlüssel für die neue Wohnung – dann verändert sich wieder alles. Wir wohnen bald nur noch 200 m vom Kindergarten entfernt – dafür wieder auf der anderen Seite der Stadt. Aber auch das hat seine Vorteile. Die Wohnung ist kleiner, hat ein Zimmer mehr und wird uns noch so einige Nerven kosten. Aber gesundheitlich wird es hoffentlich besser. Von vier Monaten in diesem Jahr habe ich drei hustend verbracht.

Vornehmen werde ich mir nichts mehr, aber einstauben soll es hier auch nicht.

4 Monate kleiner Wolf.

Lieber kleiner Wolf, vier Monate sind es jetzt – zwar nicht auf den Tag genau, aber doch irgendwie.

Arzt- bzw. Hebammenbesuche: Die U4 stand an und war kein Problem. Unser Kinderarzt ist leider krank, weswegen seine Vertretung dich untersucht hat. Der war ganz okay, aber ich hoffe, dein eigentlicher Arzt wird schnell wieder gesund. Du wiegst jetzt 6480 Gramm und bist 63 cm groß. Fleißig gewachsen also. Die ersten Impfungen standen auch an – du hast kurz geweint, ich konnte dich aber schnell beruhigen. Den Tag über hast du viel geschlafen und abends warst du ein bisschen warm, aber Fieber gemessen habe ich nicht. Dafür ging es dir am Donnerstag nicht so gut. Aber bei mir im Tragetuch war es dann auszuhalten.

Tagsüber: Wir kuscheln morgens immer noch schön – wenn ich dann aufstehe und du aufwachst, höre ich dich irgendwann erzählen. Es wird nicht mehr sofort losgeweint, wenn du merkst, dass ich nicht mehr neben dir liege. Ich liebe es sehr, dir beim Aufwachen zuzuschauen. Du streckst immer so niedlich die Arme in die Luft und grinst mich dabei an.

In den Nächten: Abends lege ich dich gegen 20 Uhr ins Bett, stille dich und stehe wieder auf. Das dauert je nach Tag 10-45 Minuten. Bis wir dann ins Bett gehen, war ich noch so 2-5 Mal bei dir – aber da du gerade erst übst alleine zu schlafen ist das vollkommen in Ordnung. Ich weiß noch gar nicht so recht, was ich dann so ohne dich machen soll… Freitag hast du einfach so zweieinhalb Stunden geschlafen und ich war schon ganz nervös. Verrückt, wie sich das alles so schnell verändert.

Stillen: Du trinkst nach wie vor sehr schnell. 5-10 Minuten und du bist fertig. Wenn du nicht mehr trinken möchtest, ziehst du dich auf meinem Schoß hoch. Das sind dann deine Sit-Ups. Wenn viel um dich herum los ist, lässt du dich schon mal ablenken, aber wenn du richtig Hunger hast, ist dir alles um dich herum egal.

Unterwegs: Die Gurtschoner für die Emeibaby sind zum Glück da, die darfst du gerne ansabbern. Ich habe dich wieder ein paar Mal im Tuch getragen und jetzt beschlossen, dass ich auch ein eigenes kaufen möchte. Auch würde ich gerne mal etwas anderes als die Wickelkreuztrage ausprobieren. Dein Papa trägt dich nach wie vor gerne in der Ergobaby – aus der du jetzt auch rausschauen kannst. (Dein Papa erzählte neulich, was für ein Frauenmagnet du in der Trage bist – das fängt ja schon gut an. Hihi.) Deine Oma und ich haben aber auch einen schönen Spaziergang mit dir im Kinderwagen gemacht. Klappt also auch.

Gelernt: Der Spielebogen ist deine neueste Entdeckung. Wie toll da alles raschelt und rummst und sich dreht! Die Katze liegt da zwar auch gerne drunter, aber das ist wirklich dein Bogen. Deine Oball-Rassel wird auch fleißig angesabbert. In den Mund passt die ja leider nicht.

Familie: Wir waren wieder bei deinen anderen Groß- und Urgroßeltern zu Besuch. Gleiches Bild wie hier: Wir kommen an, stellen dich ab und bevor wir begrüßt werden, wirst du angestrahlt. Deine Cousine hatte dich wieder auf dem Schoß und du hast dich immer weggekichert, wenn wir ihren Namen gesagt haben.

Kleiderkiste: Immer noch 62. Da passt du wunderbar rein. Wobei ich darauf achten muss, regelmäßig zu waschen, so viele Schlafanzüge und Hosen hast du nicht. Da werde ich in 68 noch etwas aufstocken müssen, da sieht das ähnlich aus. Letzte Woche habe ich die erste Kiste Wäsche aussortiert – die Kleidung, die ich nicht so praktisch oder hübsch fand. Da darf jetzt ein Karton weiter ziehen. Dafür steht hier auch schon eine Windelkarton mit Sachen, die für Nummer zwei aufbewahrt werden. (Ich könnte es mir vorstellen, ein paar der Teile an die ein oder andere Herzfreundin zu verleihen, aber das möchte ich alles zurück.) Ich habe dir auch einen Pulli genäht – und hoffe, ich kann davon noch ein paar zaubern.

Wir mit dir: Jeder Tag ist ein neues Abenteuer und einfach wundervoll. Ich bin so unglaublich glücklich mit dir und deinem Papa. Zusammen sind wir ein super Team.

Vier Monate inzwischen… ein Neugeborenes bist du wirklich nicht mehr. Das geht so wahnsinnig schnell… Du bist einfach ein toller kleiner Wolf <3

Das neue Kleid.

Am Donnerstag war ich spontan zum Ohrenarzt – durfte dann noch ein wenig durch die Gegend spazieren, weil das Wartezimmer so voll war. Ich steuerte also Family an – eigentlich um nach Kindersachen zu schauen. Aber es gab an dem Tag gerade 20% auf Damenbekleidung und dann hing da dieses Kleid… Ich huschte damit in die Umkleidekabine und probierte es an. Das war der erste Moment seit der Geburt, in dem ich mich richtig als Frau und nicht als Mutter fühlte. Der Ausschnitt ist sehr dehnbar, stillen ist also kein Problem.

kleid

Neu, neu, neu.

Es geht mir jetzt einen Monat nach der Geburt jeden Tag besser. Wobei das auch gefährlich ist – ich überschätze mich doch noch. Zu viel im Haushalt sollte ich nicht in die kurze Zeit quetschen, wenn der kleine Wolf beim Liebsten ist. Das gibt dann noch die Quittung. Körperlich ist die Rückbildung der Gebärmutter schon lange abgeschlossen und ich mache auch schon die ersten Übungen für den Beckenboden, die mir die Hebamme zeigt. Eigentlich kann ich es kaum erwarten, wieder ins Schwimmbad und ins Fitnessstudio gehen zu können. Wir haben keine Waage bzw ist die Waage beim Umzug in die Abseite gekommen und dort liegt sie noch. Letzen Mittwoch bei meinen Eltern bin ich dort mal auf die Waage – von den 12 kg, die ich in der Schwangerschaft zugenommen habe, sind noch 3 kg da. Das ist okay. Die Kilos, die sich seit der Hochzeit angesammelt haben, ignoriere ich noch. Wobei ich eigentlich hauptsächlich wieder sporteln möchte, damit mein Rücken wieder schmerzfreier wird. Der fängt seit der Geburt langsam wieder an zu zicken und das möchte ich gerne unterbinden. Auch im Hinblick darauf, dass ich gerne weiter tragen möchte.

Mit jedem Tag komme ich eigentlich wieder ein Stück besser klar. Zwei Wochen nach der Geburt ging so gar nichts. Ich habe mich mit meinem Kugelbauch unglaublich hübsch gefühlt – und der war ja nun weg. Noch dazu Hormone im freien Fall – uurgh. Nach Gesprächen mit meinem Mann und der Hebamme, geht es jetzt. Ich hatte, gerade durch meine Vorgeschichte, schon Angst vor Wochenbettdepressionen. Aber bisher sieht es nicht danach aus. Zum Glück.

Die Schwangerschaftsstreifen auf meinem Bauch fangen langsam an zu verblassen – gerade die Streifen mag ich sehr. Sie zeigen, was da in mir war und ich weiß, dass sie nie ganz weg gehen werden. Das ist mehr als okay. Nächste Woche Mittwoch ist mein Nachsorgetermin bei der Frauenärztin, mal sehen was sie mir noch so erzählt. Eventuell hat sie auch noch mehr Adressen für Rückbildungskurse – bisher müsste ich 30 Minuten fahren. Das gefällt mir noch nicht so wirklich.

Ein Wolf kommt auf die Welt.

Der kleine Wolf ist jetzt schon ein paar Tage bei uns Zuhause und ich fühle, wie die Erinnerungen immer mehr verschwimmen. Natürliche Reaktion meines Körpers, aber trotzdem möchte ich die Geburt gerne so wirklich wie möglich festhalten.

Dienstagabend gingen mein Mann und ich recht früh zu Bett, um noch eine Serienfolge zu schauen. Ich war deprimiert, weil der nächste Morgen wieder einen Besuch beim Frauenarzt bringen sollte. Das bedeutete früh aufstehen und dort den halben Vormittag verbringen. Plus das Gespräch über die Einleitung, die wohl nötig wäre. Denkste. Der kleine Wolf hatte das anders geplant.

Um 01:00 Uhr wurde ich wach. Rückenschmerzen und auf Klo musste ich auch. Dorthin gehumpelt und wieder zurück ins Bett gekrochen. Bisschen gedöst und es genossen, dass mein Mann seine warme Hand an meinen Rücken legte. Die Rückenschmerzen kamen irgendwie regelmäßig und wurden immer unangenehmer. Um 01:30 Uhr habe ich mir meine Klamotten, das iPhone und mein Selterflasche geschnappt und bin ins Wohnzimmer umgezogen. Die Katze lag auf meinem Sessel, also blieb ich auf meinem Schreibtischstuhl. Ich spielte und startete regelmäßig meine Wehenapp. So langsam war ich mir dann doch sicher, dass das nicht nur normale Schmerzen waren. Im Sitzen wurde der ganze Bauch hart und es zog dort ordentlich. Dafür waren die Rückenschmerzen fast weg. Der Abstand der Wegen war fast die ganze Zeit ziemlich regelmäßig bei 5 Minuten. Dauer der Wehen 45-60 Sekunden. Ich trank immer wieder vorsichtig kleine Schlucke Selter, ständig begleitet vom Gefühl alles wieder in die Kloschüssel zu befördern. Das (etwas schärfere) Essen vom Abend zuvor war schon wieder aus meinem Körper. Die Zeit verging irgendwie sehr schnell. Die Wehen wurden heftiger und ich las noch etwas in verschiedenen Blogs, Foren und bei Twitter. Noch waren die Wehen irgendwie nicht stark genug – war jedenfalls meine Meinung. Aber ich konnte die Visualisierung mit dem Luftballon im Bauch wunderbar üben. Zwei bis drei Atemzüge schaffte ich pro Wehe.

wehen

Es kribbelte so langsam, als mir bewusst wurde, dass sich der kleine Wolf tatsächlich auf den Weg gemacht hat. Von alleine! Um halb vier hat mir die Katze dann den Sessel überlassen – nur um mir noch mal schön die Pfoten ins Gesicht zu schlagen. Dafür flog sie dann aus dem Wohnzimmer. Im Poäng habe ich es ein wenig besser ausgehalten. Letzte Woche Freitag hatte ich schon alle zehn Minuten einen harten Bauch – was eine prima Übungseinheit für das Aufblasen des Luftballons war. Wie wichtig diese Visualisierung für mich war, wurde mir erst später in den Presswehen bewusst. Ich bewegte mich zwischen Bad und Wohnzimmer hin und her. Um halb vier erwischte mich eine Wehe, als ich noch lief und das war schon eine andere Stärke. Die Abstände waren noch immer bei 5 Minuten. In meinem Kopf lief eigentlich immer nur ein Gedanke: „Nach der nächsten Wehe wecke ich meinen Mann und rufe meine Mutter an.“ Und dann war die Wehe doch nicht so schlimm. Um 4 Uhr watschelte ich ins Schlafzimmer. Mein Mann wollte erst, dass ich mich wieder zu ihm lege, schließlich müsse er erst um 7 Uhr aufstehen. Als er etwas wacher war, wurde auch er aufgeregter, zog sich an und packte noch ein paar Dinge in den Rucksack.

Nach zwei weiteren Wehen war auch meine Mutter informiert und machte sich auf den Weg zu uns. Um 4:45 Uhr sind wir nach 15 Minuten Fahrt im Krankenhaus angekommen. Die Sitzheizung im Beetle tat im Rücken sehr gut. Ich konnte mich tief in den Sitz drücken und meinen Bauch aufpusten. Zwischen den Wehen unterhielt ich mich ganz normal mit den Beiden und war komplett schmerzfrei. In den Wehen hörte ich zwar, was um mich gesprochen wurde, brauchte aber alle Konzentration für mich und den Wolf.

Meine Mutter lies uns vorm Haupteingang aussteigen und parkte. Ich wollte, dass sie zumindest bis nach der Untersuchung bleibt, falls wir wieder nach Hause geschickt werden würden. (Was zu dem Zeitpunkt tatsächlich meine größte Sorge war. Ich wusste die Intensität einfach nicht einzuschätzen.)

Wir liefen am Empfang vorbei – Wehe. Mein Mann redete kurz mit der Dame dort, ich wusste wo wir hin mussten. In den Aufzug – Wehe. Ich habe kurz überlegt dort noch ein Foto zu machen, aber mein Smartphone hatte mein Mann und ich die nächste Wehe. Beim Laufen kamen sie in wesentlich kürzeren Abständen, dauerten aber auch nicht so lange. Wir klingelten an der Entbindungsstation und wurden von einer lieben Hebamme empfangen.

Um 5 Uhr lag ich dann am CTG und war etwas enttäuscht, wie niedrig die Zahlen dort noch waren – und hatte definitiv Angst vor den Schmerzen, die noch kommen würden. Die Hebamme machte die Aufnahme und sprach immer wieder ruhig mit mir. Auf der Seite liegen war okay. Nur der Schlauch, unter den sie die CTG-Knöpfe klemmte, ganz schön eng.

Um 5:50 Uhr kam dann die Ärztin und machte Ultraschall. Den Kopf konnte sie schon nicht mehr messen, war aber mit den letzten Werten meiner Frauenärztin zufrieden. Mein Mann unterhielt sich mit ihr und versuchte auf dem Bildschirm was zu erkennen. Mir dauerte das alles zu lange – auf dem Rücken liegen war doof. Außerdem war das doch jetzt auch egal, schließlich war der Wolf auf dem Weg und bald in unseren Armen! Fruchtwasser war noch ein bisschen zu sehen, die Fruchtblase war bisher nicht geplatzt. Zwischen den nächsten Wehen verpasste mir die Ärztin einen Zugang in die rechte Hand und nahm Blut ab. Bei meinem letzten Zugang tat die Hand nicht so weh… Nach einer weiteren Wehe, die ich irgendwie auf der Liege veratmete, kletterte ich auf den Untersuchungsstuhl. Muttermund 1-2 cm. Uff. Das war ja fast der Befund von vor zwei Tagen? Na das dauert wohl noch den ganzen Tag. Der Mann half mir beim Anziehen. Die Hebammen hatten Schichtwechsel und in der Zeit sollten wir ruhig ein wenig laufen. Ich hing in jeder Wehe an meinem Mann und legte mich wieder auf die Liege – das war besser. Mama war inzwischen wieder gefahren und wollte mittags wieder vorbei schauen.

Die Hebamme, die nach dem Schichtwechsel für die Station da war, hatte eine Praktikantin dabei. Beide unglaublich nett und die Hebamme war genau die richtige Mischung aus mich in Ruhe lassen und mir gezielt Hilfestellung geben. Bevor wir uns dann einen Kreißsaal aussuchten, verschwand ich noch mal auf Toilette. Holla, die Wehe dort musste ich heftig veratmen. Alle drei Kreißsäle waren frei und ich suchte mir den mit der Wanne aus. Vorher fand ich die Idee mit dem Wasser gar nicht so schlecht – als ich dort hinein ging war ich mir schon nicht mehr so sicher. Wir wurden erstmal in Ruhe gelassen.

Ich setzte mich auf den Sessel und hoffte, die Schmerzen dort besser aushalten zu können. Einige Wehen konnte ich dort veratmen. Aufstehen und an meinen Mann hängen brachte schon nichts mehr. Der Schmerz rollte langsam an und ich musste mich konzentrieren, um tief einzuatmen. Etwas später kam dann die Hebamme und bat mich, mich auf die Liege zu legen, damit das CTG angeschlossen werden konnte. Also lag ich dann seitlich dort und die Praktikantin drückte bei jeder Wehe den CTG-Knopf gegen meinen Bauch, sonst zeichnete das Gerät nichts auf. Mein Mann saß an der Kopfseite der Liege und redete mit den beiden. Die Hebamme fragte, ob ich Schmerzmittel haben möchte. Meine Frage, ob das denn auch wirke, beantwortete sie mit einem Grinsen. Dann war ich wieder in der nächsten Wehe und mein Mann entschied für mich. An meinen Zugang wurde Meptid und etwas zum Weichmachen des Muttermundes gehängt. Die nächste Untersuchung gegen 8 Uhr ergab schon 8 cm. Immer wieder wurde kommentiert, wie schnell die Geburt geht.

Geredet habe ich nicht mehr. Zwischen den Wehen gab es kurze Erholung, was ich auch brauchte. Durch das Schmerzmittel war mir etwas schummrig und nach wie vor übel. Gespuckt habe ich erstaunlicherweise nicht. Sämtliches Schamgefühl habe ich an der Tür des Kreißsaales abgegeben. Meine Hose hatte mein Mann mir vor der Untersuchung ausgezogen und wieder anziehen wollte ich sie auch nicht. Ich bekam eine Decke über die Beine und dann hörte das Zittern auch etwas auf. Das Schmerzmittel wirkte schnell und nahm die fiesen Schmerzspitzen aus den Wehen. Es zog weiter ordentlich im Rücken. Die Hebamme fragte irgendwann, ob sich die Wehen anders anfühlen. Prompt hatte ich in der nächsten Wehe das Gefühl eine ganz andere Kraft in mir wirkt. Da die Fruchtblase bis jetzt noch intakt war, öffnete die Hebamme sie. Viel Wasser kam aber wohl nicht mehr. Die Ärztin tauchte auf und ging auch nicht mehr weg. Einige Wehen versuchte ich noch zu veratmen, bis ich mich dann traute, mitzupressen. Mein rechtes Bein stand inzwischen auf der Schulter der Hebamme. Der kleine Wolf rutschte langsam voran. Der CTG-Knopf musste auch immer weiter runter geschoben werden. Mein Mann war inzwischen in der hintersten Ecke des Raumes…

Geschrien habe ich während der ganzen Wehen nicht. Nur gestöhnt und zum Schluss geknurrt. Die Hebamme schob mich immer wieder zurück auf die Liege, in den Wehen krümmte ich mich sehr zusammen. Positionswechsel war dann notwendig. Ich lag auf dem Rücken und zog die Knie an mich. Zuerst zögerlich, dann konnte ich richtig mitpressen. Es war erst ein sehr komisches Gefühl, aber mit der Hilfe der Hebamme habe ich es dann geschafft, nicht in den Kopf zu pressen, sondern zum Wolf hin. Die Zeit zwischen den Presswehen wurde etwas länger und ich klarer. Der Mann bekam dann auch noch eine rausgestreckte Zunge von mir – warum weiß ich nicht mehr. Alles spannte in den Pausen und so richtig war es noch nicht in meinem Kopf angekommen, dass die Geburt gleich passiert war. Ich schaffte es 2x pro Wehe mitzupressen. Das war aber nicht ganz genug – die Ärztin legte ein Laken unter meinen Rücken, zog es über meinem Bauch zusammen und drückte in der nächsten Wehe mit. Das Gefühl zu Zerreißen blieb sehr kurz – dann war’s geschafft.

Um 8:44 Uhr. Erst der Kopf, dann glitt der Rest aus mir raus. Es dauerte einige Atemzüge, bis ich wieder genug Luft hatte. Der kleine Wolf schrie sehr fleißig und war total blau. Sie legten ihn auf meinen Bauch und ich konnte es eigentlich so gar nicht wirklich fassen, dass das jetzt der kleine Punkt auf dem ersten Ultraschallbild ist. Er schaute uns aus seinen großen Augen an und suchte auch ziemlich schnell nach der Milchbar. Er wechselte sehr schnell von blau zu rosig. Wehen hatte ich nicht mehr, aber die Plazenta kam durch leichtes Pressen so. Die Fruchtblase war auch noch deutlich sichtbar – ohne weiteres Riss. Weder mein Mann noch ich wollten die Nabelschnur durchschneiden, was dann die Praktikantin durfte.

Während wir kuschelten, wurde ich versorgt. Ein paar Schürfwunden hatte ich und an zwei Stellen musste noch genäht werden. Das Nähen des Dammrisses war nicht so einfach, weil ich genau dort eine Krampfader habe. Deswegen hätte sich die Hebamme während der Geburt auch nicht getraut, zu schneiden. Die Schmerzen der Geburt waren geschafft – aber das Nähen tat saumäßig weh. Wir durften dann erstmal ausgiebig kuscheln. In der Zwischenzeit waren noch mehr Schwangere angekommen und wir hatten die Hebamme nicht mehr für uns. Nach einer Stunde auf meinem Bauch, wo der Kleine auch seine Körperausgänge testete, wurde er vermessen. 3240 Gramm, 50 cm und 34 cm Kopfumfang. Apgar-Werte 9/10/10 – Hebamme kommentierte das nur locker mit: „Kleiner Streber!“ Mein Mann bekam ihn eingepackt auf den Arm und ich durfte mit Hilfe aufstehen. Dann ging es mit dem Rollstuhl auf die Station in unser Zimmer – ein Dreibettzimmer, aus dem gerade die bisher einzige Patientin entlassen wurde. Ich trug die ganze Zeit über mein Toten Hosen Shirt, was ich auch auf dem letzten Bauchbild an hatte. Und Socken mit Igeln. (Die wir dann liebevoll Blutigel getauft haben.)

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Über die Zeit im Krankenhaus schreibe ich dann demnächst.