Wolfs-Mama sein.

Irgendwie anders und doch genau so, wie ich es erhofft hatte.

Als mir der kleine Wolf direkt nach der Geburt auf den Bauch gelegt wurde, konnte ich es eigentlich noch gar nicht richtig begreifen, das die Schwangerschaft nun vorbei war. Es war unglaublich, dieses kleine Wesen mit den großen Augen jetzt endlich anfassen zu können. Der Bauch war leer und das Herz voll. Für den Moment waren es unfassbar viele Gefühle, die auf mich einwirkten. Die mussten erstmal sortiert werden. Über allem schwebte aber die beeindruckende Liebe für dieses Geschöpf, was mich zur Mama machte. Auch wenn diese Liebe erst jetzt für mich richtig greifbar ist – sie war in mir drin, seit ich den zweiten hauchzarten Strich auf dem Test gesehen habe.

Der kleine Wolf macht mich zu dem, was ich schon immer sein wollte: Mutter. Der Liebste ist ein wunderbarer Vater und ich könnte mir niemanden besseren vorstellen, um für den kleinen Wolf zusammen Eltern zu sein. Wir machen zwar einige Dinge anders als es hier viele für richtig halten – aber das ist halt unsere Erziehung. (Nur weil wir jetzt gemeinsam Eltern sind, sind wir noch lange nicht Erwachsen.)

Unser Kind ist das beste, was uns passieren konnte. Es gibt einfach nichts schöneres, als durch bloße Anwesenheit ein weinendes Baby zum Lachen zu bringen. Weil ich seine Mama bin und der Liebste sein Papa ist. Bei uns ist der Kleine sicher und wir verteidigen ihn mit unseren Krallen. Schon im Krankenhaus schlief er am Besten auf einem von uns – inzwischen reicht Körperkontakt. Wir probieren es immer wieder auch mal ohne – aber noch klappt das nicht mehr als 10 Minuten. Das ist vollkommen okay. Wer 41 Wochen in meinem Bauch gewohnt hat, muss nicht mit 14 Wochen alleine im Bett schlafen. Allein das Urvertrauen mit dem der kleine Wolf weiß, bei uns kann ihm nichts passieren – das ist so überwältigend.

Die Geburt und die Krankenhauszeit beschäftigt mich in manchen Momenten noch sehr. Die Wehen-App konnte ich bisher nicht vom Smartphone löschen. Mir ist völlig klar, dass ich das alles noch mindestens ein Mal erleben möchte. Niemand kann mir versichern, dass es wieder so schön wird – aber ich hoffe es. Neues Leben im Bauch und dann im Arm zu halten ist so zauberhaft. Vom Herzen her würde ich gerne sofort einen zweiten kleinen Wolf – der Körper möchte noch nicht und der Kopf weiß, es muss vorher wieder gearbeitet werden und zwar mindestens ein ganzes Jahr. Auch wäre es schön bis dahin eine größere Wohnung oder ein Haus zu haben.

Die Zeit bis dahin wird genossen – jede Minute mit dem kleinen Wolf macht mich so glücklich. Das Jahr Elternzeit ist eigentlich viel zu kurz. Ich beneide so manche Frau, die länger Zuhause bleiben kann und bin dann wieder sehr froh, zumindest die Möglichkeit zu haben ein Jahr genießen zu können. (Vielleicht sollte ich doch mal Lotto spielen oder so.)

Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und kann es kaum fassen, wie toll mein Leben geworden ist. Erträumt habe ich mir es – aber wann werden Träume schon viel schöner wahr als man erhofft hat?

(null)

1. Monat kleiner Wolf.

Wow, jetzt bist du schon vier Wochen und drei Tage bei uns. Das ging so verdammt schnell – wobei ich mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen kann.

Arzt- bzw. Hebammenbesuche: Die Hebamme kommt jetzt schon in deutlich längeren Abständen und im Grunde nur noch für mich. Sie war von Anfang an begeistert von dir und du mochtest auch schon schnell bei ihr auf dem Arm liegen, wenn sie mich untersucht hat oder mir Übungen gezeigt hat. Vor drei Tagen war die U3 – du wächst wunderbar und deine Hüfte ist genau so, wie sie sein soll. Bisschen gelb bist du noch immer – aber dank meines alten Untersuchungsheftes weiß ich jetzt auch, dass ich sogar unter der Lampe lag deswegen. Der Kinderarzt erinnerte sich sogar an mich – ich war eine seiner ersten Patienten.

Tagsüber: Wir schlafen länger als dein Papa und kuscheln morgens gerne noch ein wenig. Meist verbringst du dann etwas in der Federwiege, während ich unter die Dusche hüpfe oder im Haushalt rumwusele. Ganz neu ist jetzt, dass du dich auch mal auf einer Decke ablegen lässt. Das geht erst seit 1-2 Tagen. Meist aber auch nur für ein paar Minuten. Wenn dein Papa da ist, macht ihr erstmal Blödsinn. Wenn du satt bist, kuschelt dich Papa in der Ergobaby in den Schlaf und ich habe noch mal etwas Zeit für mich. Kurz einkaufen oder Kuchen backen oder duschen geht so prima.

In den Nächten: Du schläfst neben mir. Schlafsäcke sind absolut grauenvoll und auch deine Kuscheldecke wird weggestrampelt. Also liegst du mit unter meiner Decke – wobei ich nur halb zugedeckt bin und nur noch mit langärmligen Oberteilen schlafe. Du wirst meist gegen 1,4 und 8 Uhr wach und hast Durst.

Stillen: Das klappt wirklich prima. Anfangs hast du mir ordentlich weh getan, wenn du andockst – vom Gefühl her hast du richtig zugebissen. Das geht inzwischen. Nachts trinkst du immer eine Seite bis du satt bist, tagsüber meist beide. Wobei du ein schneller Trinker bist. Nach maximal einer halben Stunde sind wir in den meisten Fällen fertig. Mir macht es auch nichts mehr aus, unterwegs zu stillen. Im Restaurant und im Auto haben wir schon getestet – geht alles. Nur zu kalt darf mir nicht werden.

Unterwegs: Ob Trage, Tuch, Kinderwagen oder Babyschale – hauptsache du bist satt und es bewegt sich. Dann ist alles super und du ratzt schnell sein.

Gelernt: Seit heute quietscht du. Einfach so. Das ist unglaublich niedlich. Genau wie dein Lächeln – was du mir gerne schenkst, wenn wir stillen. Natürlich läuft dir dann Milch aus dem Mund, aber das ist okay. Es ist so bezaubernd, dich lächeln zu sehen. Du nimmst jeden Tag mehr von deiner Umwelt wahr. Alles was leuchtet zieht momentan deinen Blick an. Mit deinen großen Augen schaust du uns immer wieder so niedlich an. Grimassen schneiden kannst du auch wie ein Weltmeister – aber bei den Genen ist das auch kein Wunder. Du bist unglaublich neugierig – und hältst dein Köpfchen schon recht lange alleine. Ach, nicht nur Schlafsäcke sind doof – auch Socken und Hosen mit Füßchen. Aber da musst du nun mal mit leben.

Familie: Du kennst jetzt schon einen Großteil deiner Verwandschaft – und hast sie alle verzaubert. Egal wo wir hinkommen – du bist der Mittelpunkt. Dein Opa mag dich gar nicht mehr weggeben, wenn du in seinem Arm schläfst und die Waffel-Uroma blüht so auf, wenn wir sie besuchen.

Kleiderkiste: Du füllst die Klamotten in 50 jetzt richtig aus – nächste Woche kann ich die bestimmt aussortieren. Windeln in Größe 2 trägst du schon zwei ungefähr zwei Wochen – Größe 1 lief dann doch immer wieder etwas aus.

Wir mir dir: Kaum vorstellbar, wie das Leben ohne dich war, kleine Ratzerübe. Du gehörst einfach genau hier zu uns. Wie schnell sich der Tagesverlauf angepasst hat. Als hätten wir nur auf dich gewartet – was wir im Grunde ja auch haben.

Wir lieben dich sehr, kleiner Wolf <3

Im realen Leben auch.

Im Internet mit anderen zu hibbeln ist toll. Wahnsinnig toll. Aber wisst ihr, was noch toller ist? Bei meiner Freundin auf dem Sofa zu liegen und mit ihr darüber zu sprechen. Über sie. Über mich. Über eine dritte Freundin. Man könnte sagen, das passiert einfach, wenn alle ungefähr gleich alt sind. Nun ja. Sie ist 39, ich bin 24, die dritte Freundin ist 30.

Wir warten alle drei auf ein kleines Wunder. Drei kleine Wunder. Hier würden sich sechs Menschen sehr freuen, wenn ihr euch auf den Weg macht. Und noch viele mehr.

Oktober 2013.

Worüber habe ich mich gefreut?
+ Hochzeitsfotos (wer ein bisschen schauen möchte: Hier und hier habe ich ein paar Bilder gepostet.)
+ fünf Tage Mittelalter mit zauberhaften Menschen
+ toller Urlaub mit dem Liebsten
+ wunderbare Menschen im Urlaub getroffen
+ drei verschiedene Schwimmbäder ausprobiert und entspannt
+ Besuch im mittelalterlichen Restaurant
+ die Rückbank ist wieder komplett funktionstüchtig
+ mich durchgerungen, mir einen 3DS zu kaufen
+ einen Monat verheiratet <3
+ Gasrückerstattung von 234 €
+ wir bekommen eine zweite Katze

Worüber habe ich mich geärgert?
+ zickige Menschen, die Panik verbreiten müssen
+ Nagel im Reifen
+ Stromabrechnung von der alten Wohnung, wo wir plötzlich 190€ Strafzahlung leisten sollten. (Ist jetzt geklärt, wir bekommen noch 70€ zurück.)

Weswegen war ich traurig?
+ Urlaub vorbei
+ als der neue Zyklus sich bemerkbar machte

Was habe ich gebastelt/genäht/gekocht/gebacken?
+ angefangen mit dem Adventskalender von LIDL
+ normale Brötchen und Mini-Schokobrötchen – woah, waren die lecker
+ Mumienwürstchen

Für September habe ich keinen Rückblick – das ist mir aber erst jetzt aufgefallen. Es war einfach viel zu viel los.

Fernweh vs. Sehnsucht.

Auf der Suche nach dem aktuellen Aufenthaltsort einer Schulkollegin wanderten meine Gedanken mal wieder zum Thema Fernweh umher. Sie ist momentan in Kapstadt. Meine innere Stimme sagte dazu einfach: Oh, wie schön – das ist bestimmt aufregend da. Mehr nicht.

Direkt nach dem Abi habe ich mit meiner Ausbildung angefangen. Bin in meinem Heimatort geblieben und habe kein FSJ, Au Pair oder sonstwas gemacht. Ich wollte immer erst eine Ausbildung machen, bevor ich mir Gedanken um die Welt mache. Nach der verkürzten Ausbildung dann der Ein-Jahres-Vertrag. Und noch einer. Den ich aber nur für ein halbes Jahr brauchte – ab 01.08.13 bin ich offiziell fest angestellt. Beim Bund. Also muss ich mir um meinen Arbeitsplatz einfach keine Gedanken mehr machen.

Jetzt überlegte ich wieder. Was macht eigentlich mein Fernweh? Die Lust, andere Länder zu erkunden? Sie ist da, keine Frage. Ganz klein schlummert sie in mir. Sie hat sich verändert. Ihre Wünsche sind nicht mehr Asien, Amerika, Australien. Eher Holland, Kroatien, Schweden, Norwegen, Spanien. Und auch nicht jetzt sofort. Sondern mit Familie.

Die Sehnsucht hat das Fernweh verändert. Die Sehnsucht nach Familie ist einfach so viel größer. Und seit sie nicht mehr an mir nagt, sondern langsam immer aufgeregter flattert, ist es noch viel schöner geworden. Die Hochzeit ist in greifbarer Nähe. Unsere neue Wohnung auch. Der Vertrag ist unterschrieben.

Bald, ganz bald.