39+6.

Wie lange bin ich schwanger?
39 Wochen und 6 Tage.

Arztbesuche?
Donnerstag war mein letzter vorgeplanter Termin. Da sagte die Ärztin schon, dass sich mein Körper bereit macht. Alles weich und Muttermund fingerdurchlässig. Wehen waren noch keine auf dem CTG – ich habe auch bisher keine. Morgen ist jetzt der nächste Termin, allerdings dazwischengeschoben. Darf bestimmt lange warten. der Ultraschall letzte Woche zeigte auch, dass das Köpfchen schon im Becken ist, vermessen war fast nicht mehr möglich. Das Gewicht gab sie zögerlich mit 3100 Gramm an, meinte aber, dass das bestimmt mehr ist.

Was war schön letzte Woche?
Viel bewusste Zeit mit meinem Mann. Außerdem war ich bei meinen Großeltern und bei meinen Eltern. Ich genieße das sehr, wenn ich nicht alleine hier bin. Wobei sich häufig die Katze auf meinem Schoß zusammenrollt, wenn ich auf dem Sessel liege. Das ist auch sehr schön.

Was vermisse ich?
Hamburg.

Was macht mein Körper?
Nichts mehr nach Plan. Mal reichen ihm 4 Stunden Schlaf, dann brauche ich wieder 12 Stunden. Mal Bärenhunger, dann wieder Übelkeit nach zwei Bissen. Noch dazu ist mir warm. Ständig. Mit Jacke gehe ich eigentlich nur raus, wenn es regnet.

Worauf habe ich besonders Heißhunger?
Ich kann es kaum abwarten, wieder Lachsbrötchen zu essen.

Was geht so gar nicht?
Am Rechner sitzen. Ich bekomme einfach sehr schlecht Luft, wenn ich normal auf einem Stuhl sitze. Erst Recht beim Tippen.

Was haben wir vorbereitet?
Ein zweites Tragetuch, was mir dank Twitter ausgeliehen wurde, ist angekommen – und so so so schön. Außerdem habe ich jetzt eine Wickeltasche. Noch dazu habe ich heute 7 Stoffwindeln gekauft – wenn der kleine dann etwas größer ist, werde ich das Wickeln damit ausprobieren.

Worüber freue ich mich?
Über die vielen Nachrichten, die jetzt schon eintrudeln und die Vorfreude, die die ganze Familie uns zeigt. Hier freuen sich schon alle auf den Wolf.

39ssw

39+1. Mit Halloween Deko im Bad. Bin sehr froh, dass das toten Hosen Shirt noch passt.

Entscheidung für mein Leben.

Vor einigen Jahren ging es mir sehr schlecht. Ich hatte Depressionen, war selbstverletzend und kämpfte jeden Tag. Wollte eigentlich nicht mehr. Wollte so nicht mehr leben. Mir ging es nicht alleine so, bei meiner besten Freundin war es noch einen Tick heftiger. Wenn wir zusammen waren, ging es uns deutlich besser, aber keiner von uns war der Typ für 24/7 Zweisamkeit. Wir haben viel zusammen unternommen und uns irgendwie gegenseitig gestützt. Irgendwann ging es ihr so schlecht, dass sie in Therapie und später in eine Klinik ist. Ab da war ich zumindest unter der Woche und in der Schule allein.

In der Zeit habe ich über ein Forum ein Webradio gefunden und dort auch für einige Zeit selber moderiert. Das und die Tatsache, dass es uns allen irgendwie ähnlich ging, hat mich wohl irgendwie über Wasser gehalten. Ich entdeckte meine Liebe zur Gothic-Musik und trug mehr und mehr schwarz. Im Nachhinein betrachtet hat mich wohl genau die Akzeptanz der Szene und die Kraft, die in in der Musik fand, gerettet. Es gibt keinen zentralen Wendepunkt – ich lernte einfach irgendwie damit umzugehen. Verletzte mich weniger. Unternahm mehr. Tauchte tiefer ins Internet. Erkundete die Gothic-Szene bei uns – und fand so tolle Freunde. Es war ein schleichender Prozess mit vielen Rückschlägen.

Noch heute habe ich ab und an mit Depressionen zu kämpfen. Seit ich hormonfrei bin, ist es deutlich besser geworden. Und auch seit ich den Liebsten an meiner Seite habe. Meine Zukunft ist nicht mehr ungewiss, sie ist dunkelbunt und wunderschön. Diese unfassbare Traurigkeit, die ich einfach nicht erklären kann, zeigt sich nur noch selten am Horizont. Bekämpfen muss ich sie nicht mehr mit Schmerzen, sondern mit einem Besuch am Meer. Und manchmal, da liebe ich diese Melancholie. Die gute Schwester der Traurigkeit.

In all der Zeit, also schon seit ungefähr zehn Jahren, habe ich mir sehr gewünscht, Mama zu werden. Ab dann werde ich mich nicht mehr umbringen. Das war immer mein Ziel, welches egal wie schlimm es war, mich gerettet hat. Und jetzt ist es soweit. In der Zeit mit dem Liebsten habe ich nicht mehr daran gedacht, mein Leben zu beenden. Dafür ist er mir zu wichtig und auch die äußeren Umstände haben sich so gewandelt, dass ich mein Leben leben will. Genau dieses eine Leben.

Es war mein größter Traum und es ist so wunderbar, dass mein Mann genau das auch als seinen Traum hat. Unser Zirkusbaby wächst in meinem Bauch. Die Entscheidung für mein Leben. Für unsere Leben. Es wird nicht immer leicht werden und ich werde mich nicht komplett ändern können – gegen den Druck, sich verletzen zu wollen, werde ich wohl mein ganzes Leben ankämpfen. Mal mehr, mal weniger. Aber ich werde das jetzt schaffen. Weil ich eben nicht alleine bin.

Vor zwei Wochen kamen die ersten Gedanken hierzu. Und jetzt, mit den Worten aus dem Hirn auf den Monitor, ist das alles nicht mehr so dramatisch. Was mich ein wenig sprachlos macht.

Liebes Zirkusbaby, ich freue mich sehr auf dich. Und dein Papa auch. Unser Weg war nicht immer einfach und vielleicht wird deiner auch an manchen Stellen schwierig. Aber wir sind für dich da. Wir werden dir auch mal fürchterlich auf die Nerven gehen, du uns aber auch. Aber genau das wollen wir. So viel Liebe ist hier schon für dich <3

November & Dezember 2013.

Das ging alles so schnell, ich habe nicht mal realisiert, dass der November vorbei war. Ich bin eigentlich auch noch nicht im Dezember richtig angekommen, da is er schon vorbei.

Worüber habe ich mich gefreut?
+ beim Bahnfahren Zeit für mich gehabt
+ viele Serienepisoden gesehen
+ über Weihnachten Zeit mit meinem Mann verbracht
+ tolle Geschenke
+ die Reaktionen auf unsere Geschenke
+ Andeutungen der Eltern und Schwiegereltern, dass doch Enkelkinder echt toll wären…
+ eine Wohnung, die für mich jetzt wirklich ein Zuhause ist
+ Kuschelstunden mit unserer Katze

Worüber habe ich mich geärgert?
+ freiwillige Arbeit als selbstverständlich hinzunehmen
+ Kollegen, die ihre eigene freie Zeit über meine freie Zeit stellen
+ über mich selbst, am 23. 12. mal eben kurz was einkaufen zu wollen. Mittags.

Weswegen war ich traurig?
+ die zweite Katze wieder abgeben zu müssen
+ die dritte Woche Schulung nicht antreten zu können
+ bei Freunden krank gewesen zu sein
+ nicht richtig in Weihnachtsstimmung gekommen zu sein
+ weil ich gemerkt habe, wie sehr meine Oma abbaut
+ nur ein Tag frei über Weihnachten

Was habe ich gebastelt/genäht/gekocht/gebacken?
+ Adventskalender für meine Eltern
+ eine Mütze für mich
+ Cheese Fries – so lecker
+ Kekse, Ausstechplätzchen und Crinkle Cookies
+ einen Kuchen im Kuchen
+ Baileys Cheesecake
+ Baileys Pralinen
+ Tiramisu & Apfeltraum
+ Cake Pops

Ganz kurz.

Eine Welle von Gefühlen bricht über mich ein. Ich weiß nicht, wohin damit. Kann nicht deuten, was das ist. Traurigkeit, Sehnsucht, Leere, Trotzigkeit, Zuversicht. Ganz kurz. Dann ist es wieder vorbei.

Die Weihnachtszeit ist dieses Jahr furchtbar unwirklich. Ich war bisher noch nicht richtig auf dem Weihnachtsmarkt, hatte noch keinen Schnee, keinen Glühwein, keinen Geruch von Tannen in der Nase, keine kalte Nasenspitze und verfrorene Finger. Das fehlt. Genau wie noch etwas fehlt. Etwas, was wir uns sehr gewünscht haben. Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich gehofft, dieses Jahr schon schwanger zu sein. Dabei war da noch so gar nichts klar und viel wackelig. Und jetzt soll es einfach noch nicht sein. Wir haben keine Eile, wenn die Zeit da ist, wird es passiert. Aber trotzdem. Ab und an bin ich dann doch ganz kurz nicht bewegungsfähig. Weil etwas fehlt. Etwas was noch nie da war, aber so sehr gewünscht ist.

Im realen Leben auch.

Im Internet mit anderen zu hibbeln ist toll. Wahnsinnig toll. Aber wisst ihr, was noch toller ist? Bei meiner Freundin auf dem Sofa zu liegen und mit ihr darüber zu sprechen. Über sie. Über mich. Über eine dritte Freundin. Man könnte sagen, das passiert einfach, wenn alle ungefähr gleich alt sind. Nun ja. Sie ist 39, ich bin 24, die dritte Freundin ist 30.

Wir warten alle drei auf ein kleines Wunder. Drei kleine Wunder. Hier würden sich sechs Menschen sehr freuen, wenn ihr euch auf den Weg macht. Und noch viele mehr.